Frankreich – Allgemeine Einführung

Das in Deutschland erfundene Automobil wurde als erstes in Frankreich in Lizenz nachgebaut und weiterentwickelt. Es ist heute wenig bekannt, daß die französische Automobilproduktion schon kurz nach ihrem Entstehen die zahlenmäßig stärkste der Welt wurde und diesen Platz bis 1904 hielt, als sie von der amerikanischen überholt wurde.
Nach dem 1.Weltkrieg stagnierte die Entwicklung sowohl hinsichtlich der Zahlen als auch hinsichtlich des konstruktiven Einflusses: In  der Reihenfolge der größten Automobilproduzenten verdrängte Großbritannien Frankreich ab 1926 auf Platz 3, ab 1935 Deutschland auf Platz 4.
Hatte der französische Citroen A von 1919 noch als Vorbild für den deutschen Opel 4/12 PS („Laubfrosch“) von 1924 gedient, wurden in den Dreißigerjahren in Frankreich deutsche, italienische, amerikanische und englische Modelle in Lizenz gebaut oder nachempfunden (Opel Kadett als Vorbild für Renault Primaquatre).
Besonders auffällig ist in den Dreißigerjahren die im Vergleich zu anderen Staaten geradezu verschwindend geringe Traktoren-Produktion.
Allgemein bleibt festzuhalten, daß die Angaben zum Produktionsumfang der einzelnen Typen mit zu den lückenhaftesten gehöre, die ich finden konnte.

Die Daten sind in 9 Tabellen erfaßt:

– PKW bis 1914: Hier sind alle Marken aufgeführt., die den PKW-Bau spätestens 1914 einstellten und nach 1919 nicht wieder aufnahmen. Es fehlen noch viele Daten insbesondere zu einzelnen Typen, die Firmenvielfalt in Frankreich vor dem 1.Weltkrieg muß immens gewesen sein. Um die Übersicht zu erleichtern, wurden im Summarium alle Firmen unter dem jeweiligen Anfangsbuchstaben ihres Namens zusammengefaßt.
– PKW, große Marken bis 1918: Hier sind alle Firmen aufgeführt, die mit dem PKW-Bau vor 1914 begonnen haben und ihn nach dem 1.Weltkrieg, also ab 1919 fortgeführt haben.
– LKW bis 1918: Die Firmen sind wohl alle erfaßt, die Aufzählung der Typen ist aber noch sehr lückenhaft
– Sonstige bis 1918: (meist Traktoren, Pflüge u.ä.): noch sehr lückenhaft
– PKW ab 1919: Hier sind wohl alle Typen erfaßt. Wo Produktionsangaben fehlen (und die fehlen häufig!), habe ich diese geschätzt. Es bleibt zu hoffen, diese Schätzungen eines Tages durch tatsächliche Zahlen ersetzen zu können.
– LKW ab 1919: hinsichtlich der einzelnen Typen noch sehr lückenhaft
– Sonstige ab 1919: Ackerschlepper, Pflüge, sonstige Zugmaschinen: noch einige kleinere Lücken.
Militärfahrzeuge 1916-45: Alle primär militärisch genutzten Halb- und Vollkettenschlepper, alle gepanzerten Fahrzeuge, nicht jedoch ungepanzerte militärisch genutzte Radfahrzeuge.
– PKW 1945 – 1968:  Die französische Nachkriegs-Produktion ist relativ gut erfaßt, problematisch ist teilweise die Zusammenfassung von reinen PKW und solchen mit Lieferwagen-Aufbau.

Quellen:

Laux, James M., In First Gear, The French Automobile Industry to 1914, Liverpool 1976: gute Einführung, zu den größeren Marken viele Produktionszahlen, die der Verfasser aus Archiven zusammengetragen, teilweise aber auch nur geschätzt hat. Da das Buch in erster Linie wirtschaftliche Aspekte behandelt, fehlen allerdings Typenübersichten und technische Daten. Die geschätzten Produktionszahlen sind wie alle Schätzungen mit Vorsicht zu genießen.
Bellu, René, Toutes les voitures Francaises (+ Jahr), histoire et collections, Paris 2009 ff: Jahrgangsweise werden alle Marken mit allen jeweils angebotenen Typen aufgeführt, soweit sie auf der Pariser Herbstausstellung („salon“) des Vorjahres ausgestellt wurden, hierbei die Hauptdaten (Zyl., Hubraum, Radstand, Preis) angegeben, dazu zahlreiche Photos aus zeitgenössischen Prospekten. Stückzahlen enthält die Reihe allerdings kaum. Soweit im Vorwort die jeweilige Gesamt-Jahresproduktion angegeben ist, weichen die Zahlen teilweise nicht unerheblich von den sonst herangezogenen Quellen ab: Entweder wurden hier im einen Falle Absatz-, im anderen Falle Produktionszahlen verwendet, oder es wurden auf PKW-Fahrgestellen montierte Lieferwagen im einen Falle als PKW, im anderen als LKW gezählt.
Wenn ein Typ nach Bellu im entsprechenden Pariser Salon ausgestellt war, so ist diese Tatsache durch himmelblauen Hintergrund markiert.
Descombes, Christian, La Nouvelle Encyclopédie des Tracteurs fabriqués en France, Antony 2012 (DT): Sämtliche französischen Traktoren-Hersteller in alphabetischer Reihenfolge.
Spielberger, Walter J., Beute-Fahrzeuge und Panzer der Deutschen Wehrmacht, Stuttgart 1992, (SpB) ist eine gute Ergänzung vor allem für die Kraftfahrzeug-Produktion 1940-44. Allerdings stützt sich Spieklberger für die Vorkriegs-Produktion an Militärfahrzeugen häufig auf Fahrgestellnummern und übersieht dabei, daß offensichtlich etliche Chassisnummern vergeben wurden, die zugehörigen Fahrzeuge indessen infolge der Kriegsereignisse nicht gebaut wurden, die Zahlenangaben sind daher entsprechend zu korrigieren.
Auch die Artikel von Francois Vauvillier in „GBM, Histoire de Guerre, Blindés & Materiel“(GBM + Nr. + S.), die sich mit militärisch genutzten Kraftfahrzeugen befaßten, waren sehr brauchbar.
Vauvillier, Francois /Touraine, Michel: L’automobile sous l’uniforme, Paris 1992,(VA): ein ausgezeichnetes Buch, das alle in der französischen Armee 1939/40 verwendeten Kraftfahrzeuge abhandelt und sehr detaillierte Stückzahlangaben enthält.
Vauvillier, Francois: Tous les blindées de l’ armée francaise 1914-40, Paris 2014, (VB): enthält alle in Frankreich produzierten gepanzerten Fahrzeuge (entgegen dem Titel auch vor 1914 gefertigte) einschließlich Prototypen, zu den in Serie gefertigten Fahrzeugen  auch die wesentlichen technischen Daten.

Fehlendes:
Sehr bedauerlich ist, daß keine der über Renault erschienenen Firmengeschichten Stückzahlen der einzelnen Typen enthält, ja es wird nicht einmal zwischen PKW und Nutzfahrzeugen getrennt. Es gibt lediglich Gesamtstückzahlen, bei denen man nicht einmal weiß, ob hier auch Traktoren und Militärfahrzeuge inbegriffen sind.
Ebenso fehlt eine Geschichte der Fa. Berliet vor 1945, die auch eine Einführung in die verwirrende Typenbezeichnung geben könnte.
Die Firmengeschichte von Schmarbeck, Peugeot, gibt nur Gesamt-Produktionszahlen der einzelnen Typen an, nicht jedoch die jeweiligen Zahlen für die einzelnen Jahre, sodaß auch hier ein großer Raum für Spekulationen bleibt. Zahlenangaben zu den (zugegeben, meist wenigen) gebauten Nutzfahrzeugen (meist Lieferwagen auf PKW-Basis) fehlen auch hier.
Die Firmen-Geschichte von Bellu für Citroen ist gut, indessen widersprechen die dort gemachten Stückzahl-Angaben teilweise den in „automobilia“ gemachten Angaben desselben Autors, ebenso gibt es zur Produktion der Nutzfahrzeuge lückenhafte und widersprüchliche Angaben.
Die bei Edition E.P.A. in den Achzigerjahren erschienenen Firmenchroniken „Toute la histoire“ enthalten außer zahlreichen Bildern eigentlich nichts (mit Ausnahme der Firmengeschichte von Salmson).
Insgesamt ist daher die Automobilgeschichte in Frankreich die wohl am schlechtesten publizierte der Welt für die Zeit vor 1945.