Tschechoslowakei – sonstige und Militärfahrzeuge 1919 – 1945

]Zu den Statistiken:
Offizielle Statistiken zu sonstigen Kraftfahrzeugen (außer PKW und LKW) sind mir nicht bekannt. Verschiedene Firmenchroniken geben zu den größeren Firmen Stückzahlen an, ferner gibt es für die Jahre 1944/5 im Bundesarchiv Aufstellungen für die Schlepperfertigung im Protektoreat Böhmen-Mähren.
Literatur: Siehe Tschecho-Slowakei, Einführung. Spezielle Literatur zur Geschichte einzelner Marken findet sich in der Spalte „Bemerkungen“.

Tschechoslowakei, sonstige und Militärfahrzeuge 1919 – 1945, Tabelle

Radschlepper:

Breitfeld-Danek, Prag existierte von 1923-27 und produzierte v.a.D. Hanomag-Lizenzen, ist bei Firma Praga mit aufgeführt, die das Unternehmen ca. 1926 kaufte. Die Fahrzeuge sind in Praga-Statistiken nur sehr lückenhaft erfaßt, alle Schätzungen sehr vage. Gleichwohl scheint die Produktion immer recht bescheiden gewesen zu sein.

Dobry, Jungbunzlau (tschech. Mlada Boleslav): baute Saunderson-Traktoren, Vorkriegsmodelle, unklar, ab wann, bis 1926, unklar ob Lizenz oder Montage. Den Lizenzgeber Saunderson gab es schon seit 1925 nicht mehr. Ich habe keine Schätzung vorgenommen, da ich keinerlei Anhaltspunkte über den Umfang der Fertigung habe.

Laurin & Klement: Siehe Skoda

Nesselsdorf: Siehe Tatra

Pujman/Pluto, Seelenz (tschech. Nove Ransko): Den von 1939-42 in Seelenz/Nové Ransko (Südwest-Mähren) hergestellten Traktor habe ich mit 5-20 Stück pro Jahr geschätzt – vielleicht waren es auch nur halb oder doppelt so viele. Jedenfalls wurde ausweislich tsachechischer Quellen die Produktion 1942 eingestellt, und ausweislich deutscher Quellen 1944 kein Traktor mehr gebaut.Viele Traktoren werden daher angesichts des nur drei Jahredauernden Produktionszeitraumes nicht gebaut worden sein.

Praga, Prag: Produktion von Tragpflügen seit 1917, von Traktoren seit 1928. Grundsätzlich ist die jährliche Produktion von Fahrzeugen der Fa. Praga durch das Buch von Prihoda optimal erfaßt. Offen bleibt lediglich bei den jeweiligen Serien, ob diese auch wirklich vollständig in dem Jahr, in dem sie bestellt wurden, auch gefertigt wurden, oder ob sich der Fertigungszeitraum bis ins nächste Jahr hinzog.
Unklar ist weiter die Anzahl der Radschlepper BD-K, einer ehemaligen Breitfeld-Danek-Konstruktion (die Firma Praga hatte 1928 die seit 1923 existierende Firma Breitfeld-Danek gekauft), die ab 1928 bei Praga gebaut wurden, ich habe ihre Zahl entsprechend geschätzt.

Tschechoslowakei, sonstige und Militärfahrzeuge 1919 – 1945, Tabelle

Skoda/Laurin-Klement, Pilsen: Skoda war in der hier behandelten Periode größter Traktoren- und Schlepperproduzent der Tschechoslowakei. Umso bedauerlicher ist es, daß für die Zeit 1936 bis 1943 keinerlei Unterlagen über den Produktionsumfang existieren, sodaß ich hier auf sehr vage Schätzungen angwiesen war.Skoda produzierte ab 1920 bis 1923 die schweren Artillerieschlepper Typ U und Z in 46 bzw. 109 Stück.
Es folgten um 1929 in Lizenz gebaute französische Schlepper Latil TAR-4 in unbekannter Anzahl für das jugoslawische Heer. Ich vermute, daß diese Zugmaschinen zur Bewegung der zeitgleich bei Skoda beschafften 12 Stück der 15 cm-Kanone 28 und ebenfalls 12 Stück des 220mm-Mörsers M28 beschafft wurden. Da beide Geschütze dreilastig gefahren wurden, ergibt sich ein Gesamt-Zugmaschinen-Bedarf von etwa 80 Stück.
Radschlepper Ost: 1942 bis 1944 produziert, die Zahl der gefertigten Fahrzeuge schwankt zwischen 200 und 210 Stück je nach Quelle.
Laurin-Klement baute ab 1913 in verschiedenen Varianten den Excelsior Motorpflug (Lizenz Stock) bis 1926 in teils bekannter, teils unbekannter Stückzahl; soweit unbekannt, habe ich die Stückzahlen geschätzt.
Ab 1926 folgten bei Skoda mehrere Serien von Ackerschleppern, deren Gesamtstückzahl bis 1936 vermerkt ist, und deren jährliche Stückzahl ich daher entsprechend schätzen konnte. Für ab 1936 gebaute Schlepper fehlen alle Stückzahlen. Ich bin von einer Produktionskurve ähnlich dem zivilen LKW-Bau ausgegangen: In gleicher Weise wie der Fuhrunternehmer trennt sich auch der Landwirt von seinen Pferden – dies scheint mir angesichts paralleler Entwicklungen in der Schweiz, Schweden, Deutschland angemessen. Gleichzeitig habe ich angenommen, daß –ähnlich wie in anderen Ländern- auch der Trend vom schwereren zum leichteren Schlepper ging: Die großen Güter hatten alle bereits Traktoren, die kleineren Bauern noch nicht. Hierfür spricht auch, daß ausweislich der Unterlagen aus dem Bundesarchiv der kleinere Traktor HT20 im Jahr 1943 noch gefertigt wurde, der größere HT40 indessen nicht mehr. So ergeben sich die von mir jährlich ab 1936 geschätzten Zahlen. Damit hätte die Firma Skoda (und damit die tschechische Traktorenindustrie überhaupt) um 1931-2 ihren höchsten Stand erreicht, um danach -ähnlich wie der zivile LKW-Bau- sich wieder allmählich zu senken: während 1931 fast halb so viele Traktoren produziert wurden wie in Deutschland (obwohl die Tschechoslowakei nur 1/4 der Einwohner Deutschlands hatte), hätte sie 1938-41 nur noch 1/20 der Produktion des Deutschen Reiches umfaßt.

Slavia, Napajedl: Der angeblich 1942 bis 1945 gebaute Traktor 18/27 PS ist bei den im Bundesarchiv gesammelten Produktionszahlen für das Protektorat nicht nachgewiesen. Bleibt alles unklar. Viele werden es ohnehin nicht gewesen sein.

Svoboda, Jungbunzlau (tschech. Mlada Boleslav): Traktorenbau ab 1934. Keine Stückzahlangaben (außer im Bundesarchiv ab 1944), infolgedessen alles geschätzt:   Die Produktion mag eine ähnliche Kurve aufweisen wie vergleichbare deutsche Unternehmen – vielleicht nicht so steil nach oben, dafür auch 1942 nicht so stark sinkend (im Protektorat war man mit der Umstellung auf Kriegswirtschaft teilweise durchaus zurückhaltend, wie z.B. die 1943-5 noch produzierten Aero-PKW zeigen).

Wikov, Prosnitz in Mähren: Zum Umfang der Traktoren-Produktion nur Angaben zu den Stückzahlen 1929-32. Damit war der Produktionsumfang bis dahin zumindest sehr bescheiden. Ich habe daraus abgeleitet, daß auch in den folgenden Jahren nicht allzuviele Traktoren gebaut worden sein werden, anderenfalls wäre auch der Traktorenbau 1939/40 im Gegensatz zu dem bei Skoda und Svoboda nicht sang- und klanglos eingestellt worden.

Tschechoslowakei, sonstige und Militärfahrzeuge 1919 – 1945, Tabelle

Halb- und Vollkettenschlepper, Raupenschlepper:

Hier gibt es teilweise völlig divergierende Angaben, sodaß ein genaues Eingehen auf die tatsächliche Produktion notwendig erscheint, ich folge hierbei den Ausführungen von Francev/Kliment, die mir die schlüssigsten scheinen:

Praga, Prag:
BD-25 und BD-III, ursprünglich von Breitfeld-Danek ab etwa 1923 gebaute Hanomag-Lizenzen, in letztlich unbekannter, aber sicher geringer Stückzahl bis 1932.
MT: Versuchsweise in 2 Stück 1925 gebaut.
HTL: 1943 in 60 Stück für Holzarbeiten gebauter Kettenschlepper mit Skoda-Motor.
T III: 1935 insgesamt 32 Stück für die tschechische Armee.
TIII/3: neues (dem Panzer AH IV ähnliches) Fahrgestell und neuerer Motor, 1 Prototyp für die Niederlande, die diese Zugmaschine für Niederländisch-Indien bestellten. Es wurden von 126 bestellten aber nur 40 Fahrzeuge gebaut, die alle infolge Kriegsausbruches von Deutschland beschlagnahmt und an die Wehrmacht ausgeliefert wurden.
T IV bzw.T4 (die römische Ziffer bezeichnet niedrigtourige, die arabische Ziffer hochtourige Varianten): Insgesamt 1 Prototyp und 114 Stück, letztere alle 1938 für die tschechische Armee bestimmt und bis 1939 ausgeliefert, 38 Stück davon erhielt 1939 die neu geschaffene slowakische Armee, der Rest ist offenbar von der Wehrmacht übernommen worden.
TV bzw. T5: Nur 13 Stück nachgewiesen, die 1934/5 an die Türkei geliefert wurden. Die anderen behaupteten Lieferungen (Türkei, Niederländisch-Indien etc.) gehören alle zu anderen Modellen, oder es sind nicht ausgeführte Bestellungen.
TVI bzw.T6: Zunächst an die Türkei 434 Stück von 1937 bis 1939, diese offensichtlich alle noch vor Kriegsausbruch ausgeliefert: Photos zeigen sie als Zugmaschine für in türkischen Diensten stehende 15cm-Kanone 18. 1941 bestellte Rumänien 221 Stück, es wurden aber nur 130 an Rumänien geliefert, der Rest gelangte an die Wehrmacht. 1942 bestellte Portugal 30 Stück, auch diese übernahm die Wehrmacht. Schweden zeigte nur Interesse, bestellte nichts. Die Slowakei bestellte 1942 ebenfalls 30 Stück, erhielt aber davon nur acht (ging der Rest an die Wehrmacht, oder wurde er nicht gebaut?). 1942 bestellte die Waffen-SS 500 Stück und übernahm 95 Stück bis November 1943, vom Rest ist unklar, wieviele bis Kriegsende noch ausgeliefert wurden. Demzufolge beträgt die sicher gefertigte Mindestzahl: 434 türkische, 221 rumänische, 30 portugiesische, 8 slowakische und 95 Waffen-SS-Zugmaschinen, insgesamt 788 Stück. Auf die anderen Ortes geschätzten 900 Stück kommt man, wenn man unterstellt, daß von den 500 für die Waffen-SS und/oder den 30 für die Slowakei bestellten Zugmaschinen bis Kriegsende noch 120 weitere geliefert wurden, was nicht unwahrscheinlich ist.
Praga TH6 oder T7 und TH7 oder T8: In den Jahren 1937 bis 1939: 40 bzw. 62 Stück an die Türkei.
Praga TIX bzw.T9: 66 Stück von der Türkei bestellt, aber nur 16 geliefert, der Rest beschlagnahmt, davon 5 an die Slowakei, der Rest wohl an die Wehrmacht, zu den ursprünglich türkischen 66 Stück 10 weitere bis 1943 gefertigt, insgesamt also 76 Stück.
SdKfz.6 (5to-Zugmaschine): 188 Stück im Jahr 1943, 1942 ca. 200 Stück.

Tschechoslowakei, sonstige und Militärfahrzeuge 1919 – 1945, Tabelle

Skoda, Pilsen:
MTH (Malyi Traktor Housenkovy = Kleiner Kettenschlepper) 38 Stück 1935 und 17 Stück 1939, zusammen also 51 Stück.
STH und VTH: Nur Prototypen.
SdKfz.11 (3to-Zugmaschine): ab 1940, insgesamt ca. 2.565 Stück.

Radpanzer:
Diese spielten im tschechischen Heer kaum eine Rolle.
Von den Typen Skoda-Fiat, Skoda PA-1, PA-2 und PA-3 entstanden in den Zwanzigerjahren kleine Serien.
Tatra T 72/OA 30: 51 Stück von 1933 bis 1934. Die mit Panzeraufbau völlig überlasteten und untermotorisierten Fahrzeuge wurden nach Auflösung der Tschechei, soweit sie nicht an andere Staaten (Slowakei, Ungarn) gelangten, von deutschen Polizeieinheiten aufgebraucht.

Tschechoslowakei, sonstige und Militärfahrzeuge 1919 – 1945, Tabelle

Panzer:
Die tschechische Panzerproduktion ist in der Literatur umfangreich aufgearbeitet, sodaß sich ein Kommentar hierzu erübrigt. Darauf hinzuweisen ist, daß hier alle bis 1945 in der Tschecho-Slowakei oder im Protektorat Böhmen-Mähren gefertigten Panzer aufgeführt sind, auch solche, die ursprünglich nicht tschechische Konstruktionen waren (z.B. Panzer III).