Belgien – PKW bis 1918

Eine offizielle Statistik über die belgische Kraftfahrzeugproduktion vor 1918 ist mir bislang nicht bekannt geworden – höchstwahrscheinlich gibt es auch keine. Ich habe also die Jahresproduktion der einzelnen Marken – soweit ich diese abzuschätzen mir zugetraut habe- in der beigefügten Tabelle zu der unter „rechnerisch“ aufgelisteten Summe addiert, hier noch etwas dazugetan, und komme so zu der angegebenen geschätzten Gesamtzahl.

Belgien hatte eine ähnliche Sozialstruktur und ein ähnlich gutes Straßennetz wie Frankreich. Daher erscheint es grundsätzlich vertretbar, eine Automobildichte pro Kopf der Bevölkerung anzunehmen wie in Frankreich. Allerdings war das Eisenbahnnetz erheblich engmaschiger, es war 1914 das dichteste Europas. Dies stand einem hohen Automobilbedarf entgegen.
Frankreich hatte etwa 40 Mio. Einwohner, Belgien 7,5 Mio und damit 1/5 der Einwohner Frankreichs. Wenn wir also unter Berücksichtigung des dichteren belgischen Eisenbahnnetzes etwa 1/6 bis 1/10 der französischen Automobilproduktion für die belgische nehmen, ist dies sicher nicht unrealistisch. Frankreich produzierte in den letzten Jahren vor dem Krieg zwischen 40.000 und 50.000 PKW jährlich, Belgien hätte also 4.000 bis 8.000 PKW im Jahr herstellen müssen. Frankreich exportierte viele seiner Automobile nach England, was indessen für Belgien auch galt. Die von mir geschätzten jährlichen Produktionszahlen sind daher keinesfalls unrealistisch.
Alles in Allem werden in Belgien von 1895 bis 1914 etwa 40.000 bis 50.000 Kraftfahrzeuge produziert worden sein. Damit hatte Belgien hinter Frankreich, Großbritannien, dem Deutschen Reich und Italien vor 1918 die fünftgrößte Kraftfahrzeugproduktion Europas gehabt.
Im ersten Weltkrieg wurden Kraftfahrzeuge infolge der deutschen Besetzung des Landes nicht gebaut.

In eigentlich allen Fällen, in denen ich in der beigefügten Tabelle versucht habe, die Automobilproduktion zahlenmäßig zu beziffern, habe ich mich auf eine Schätzung der produzierten Gesamtzahl beschränkt, ohne zu versuchen, diese Schätzungen auf die einzelnen Typen aufzuteilen (Laux geht in seinem Buch „In 1st Gear“ über die französische Automobilindustrie ähnlich vor). Hierbei bin ich davon ausgegangen, daß in Belgien vor 1918 sich die Dinge ähnlich entwickelten wie in anderen Ländern: Die Produktion wird regelmäßig von Jahr zu Jahr angestiegen sein, lediglich 1907/08 mag die Produktion –ähnlich wie in den Nachbarstaaten- stagniert haben oder gar leicht gesunken sein. Für 1914 habe ich die Anzahl als etwa 2/3 bis 3/4 des Jahres 1913 geschätzt: Der Ausbruch des 1. Weltkrieges und die anschließende Eroberung Belgiens bewirkten, daß im August 1914 die Automobilfertigung eingestellt wurde.

Literatur: Siehe Belgien, Einführung. Spezielle Literatur zur Geschichte einzelner Marken findet sich in der Spalte „Bemerkungen“.

Belgien, PKW bis 1918 – Tabelle

Die einzelnen Automobilmarken:

Abadal: Siehe Imperia

Alatac, Brüssel: Die Firma existierte von 1912 bis zum Kriegsausbruch. Die Fahrgestelle wie auch die Motoren kamen aus Frankreich, die Firma war also ein reiner Karosseriebauer. Mangels jeglicher Größenangaben habe ich eine Schätzung nicht gewagt.

Alberta, Brüssel: Die Firma baute von 1906-07 Automobile in mehreren Größenklassen oder bot diese zumindest an. Wegen Fehlens jeglicher Zahlenangaben habe ich von einer Schätzung der Produktion abgesehen: Viele Autos werden jedenfalls nicht hergestellt worden sein, sonst hätte man die Fertigung nicht im zweiten Jahr wieder aufgegeben.

ALFA-Legia, Lüttich: Die Firma produzierte von 1912 bis ca. 1930 Einzelexemplare auf Bestellung und infolgedessen in geringer Anzahl.

Antoine, Tilff b.Lüttich: Die Firma baute von 1900 bis 1902 hauptsächlich Fremdfabrikate im Auftrag von Fremdfirmen in Serie, daneben (wohl wenige) Einzelexemplare auf Wunsch.

Aquila, Brüssel: Lizenzbau des französischen Maillard von 1900-02. Über Produktionszahlen nichts bekannt.

ATA bzw. Texeira, Trooz b. Lüttich: Die 1914 gegründete Firma begann gerade mit der Herstellung verschiedener Modelle, als der erste Weltkrieg ausbrach. Über Stückzahlen ist nichts bekannt – viele können es nicht gewesen sein.

Autocyclette Sperata, Brüssel: Die Firma baute ab 1912 ein Cyclecar mit für diese Klasse relativ großem Motor. Wann die Produktion endete und welchen Umfang sie hatte, ist nicht bekannt.

Auto-Mixte, Herstal: Die Firma stellte von 1906-14 Automobile mit benzinelektrischem Antrieb her, meist waren es jedoch keine PKW, sondern Nutzfahrzeuge. Über Produktionszahlen ist nichts bekannt.

Belgien, PKW bis 1918 – Tabelle

Bastin, Lüttich: Die Firma baute von 1907 bis 1909 einen kleinen Vierzylinder in unbekannter Anzahl.

Baudouin: Siehe Dechamps

Belgica, Saventhem: Die Firma bot von 1901-09 PKW in einer Fülle von Typen an. Ob diese alle wirklich von der Kundschaft bestellt und infolgedessen hergestellt wurden, bleibt offen. Über den Umfang der Produktion ist nichts bekannt, ich habe ihn anhand ähnlich gelagerter Fälle auf 20, später bis zu 70 Stück pro Jahr geschätzt. Zum Schluß muß die Produktionskurve wieder abgesackt, aber nicht völlig zum Erliegen gekommen sein, sonst wäre das Werk nicht an Excelsior verkauft worden.

Bovy, Molenbeek-St.Jean: Hauptgeschäft der Firma waren LKW, daneben wurden 1908-14 auch PKW in unbekannter Anzahl gefertigt, viele werden es nicht gewesen sein.

Cambier, Mecheln: Zweigwerk der französischen Firma gleichen Namens, baute von 1898-99 eine Benz-Kopie in unbekannter vermutlich geringer Anzahl.

CAP, Brüssel: Baute ab 1914 ein Cyclecar, ehe der Ausbruch des 1. Weltkrieges die Produktion beendete. Über die gebaute Stückzahl ist nichts bekannt.

CL (Construction Liégeoise): Siehe Duryea/Knap

Belgien, PKW bis 1918 – Tabelle

D’Aoust, Anderlecht: Baute von 1912-27, unterbrochen durch die Kriegsjahre 1914-8, Sport- und Rennwagen verschiedener Größen als Einzelexemplare oder in ganz wenigen (2-3) Stücken.

Dasse, Verviers: Die wohl älteste belgische Automobilmarke. Die Firma blieb jedoch immer recht klein, zwischen 1908 und 1910 wurden von 100 Arbeitern jährlich zwischen 50 und 100, im Mittel also  70 Automobile jährlich hergestellt: Das erscheint realistisch, man kann in diesen Zeiten etwa 0,5 bis 1 produziertes Automobil pro Arbeiter und Jahr rechnen. Dementsprechend könnte die Automobilproduktion von 1895 bis 1907 kontinuierlich angestiegen sein, um dann (Krise!) auf 75/Jahr zu fallen und anschließend weiter zu steigen.

Dasse baute auch noch nach dem 1.Weltkrieg Autos, gehörte also zu den bedeutenderen belgischen Firmen und hat wahrscheinlich einen kleinen, aber treuen Kundenstamm besessen.

Nimmt man indessen an, daß die Zeit 1908-10 besonders herausgestellt wird, weil sie einen Höhepunkt in der Existenzzeit der Firma bedeutet, so wäre die Produktion vorher –insbesondere ab 1905- geringer als angenommen und würde nach 1910 wieder abfallen, aber nicht zu stark. Sollte die 2. Variante zutreffen, wäre die Gesamtproduktion um etwa 100 bis 150 Autos und damit etwa 10% geringer anzusetzen als hier geschätzt.

Dechamps, Brüssel: Produktionszeit 1899 (oder 1898?) bis 1906 (oder 1905?), die letzten beiden Jahre unter dem Namen „Baudouin“. Es handelt sich um eine Fülle angebotener Modelle: Ob sie alle wirklich gefertigt wurden oder teilweise nur auf dem Papier standen, bleibt offen. Eine Schätzung der Produktion habe ich nicht gewagt: Allzu groß kann sie nicht gewesen sein, sonst hätte die Firma die Tore nicht 1906 schon wieder geschlossen. Ob aber nur 5 oder auch 10 bis 30 Stück pro Jahr hergestellt wurden: Hier ist alles möglich.

De Cosmo, Lüttich: Baute von 1903 bis 1908. Wagen mit sehr großem Hubraum in unbekannter Stückzahl. Viel mehr als 2-3 pro Jahr können es nicht gewesen sein.

De Coster, Tielt: Baute 1898 -und nur 1898!-  „einige“ Dreirad- und Vierrad-Fahrzeuge und Voituretten mit sehr kleinem Motor: viele können es nicht gewesen sein.

Delecroix, Brüssel: Produktion von 1898 – 1900. Auch hier kann es eigentlich höchstens ein Dutzend Fahrzeuge sein, das die Produktionshallen verließ, vielleicht waren es auch nur zwei bis drei Stück.

Delin, Löwen, ab 1903 Saventhem: Fertigung ab 1899. Zunächst Einzylinder-Wagen, ab 1901/2 bis 1906 unter dem Namen Mathieu Zwei- und Vierzylinder. Wieviele die zahlreichen angebotenen Typen auf dem Papier blieben, bleibt offen, ebenso die Frage, ob die Produktion sich auf  5-10 Autos pro Jahr beschränkte oder zeitweise auch erheblich darüber lag.

Elgé, Houfflaize: Herstellung von Autos ab 1912, bis 1914 der Kriegsausbruch die Produktion beendete. Insgesamt sollen es etwa 25 Stück gewesen sein, verteilt auf  einen Haupttyp mit 2,1 Litern und einen Nebentyp mit 1,2 Litern. Ich habe die Verteilung angenommen wie gezeigt, hierbei unterstellt, daß die Produktion 1912 erst anlaufen mußte und 1914 wegen des Kriegsausbruches vorzeitig endete.

Excelsior, Brüssel/Saventhem: Eine der größeren belgischen Marken, Produktion 1904 (oder 1905?) bis 1929. Die Firma produzierte Wagen der oberen Mittelklasse und Oberklasse, die Herstellung soll zwischen 1912 und 1914 jährlich 200 – 250 Stück betragen haben, dementsprechend habe ich sie für die Zeit davor wie angegeben geschätzt.

Belgien, PKW bis 1918 – Tabelle

F.I.F., Brüssel: Das Werk bestand von 1907-14, produzierte aber Autos erst ab 1909. Über die Höhe der jährlichen Produktion ist nirgendwo etwas gesagt.

F.N.3,5 HP Victoria (1900), Louwman-Museum

F.N., Hersthal: serienmäßige Automobilherstellung 1900 – 1935. Der Schwerpunkt lag immer bei den Klein- und Mittelklassewagen. Die Typenbezeichnung bezieht sich regelmäßig auf den Hubraum – eine damals noch ungebräuchliche Methode. Zu den einzelnen Typen:
Von den Typen A und B zusammen sollen bis Anfang 1902 über 200, vom Typ B alleine von 1900 bis 1903 189 Stück hergestellt worden sein. Daraus ergibt sich in etwa die von mir vorgenommene Verteilung.
In jedem Fall sank die Automobilfertigung dann bei F.N. zwischen 1903 und 1905 stark ab: Die Firma ging deswegen nicht bankrott – ihr Haupterwerb lag schon immer bei Waffen, später kamen auch Motorräder hinzu.
Etwas aus dem Rahmen fiel der von Nagant 1905 übernommene und bis 1913 in rd. 300 Stück gefertigte RSB 6900, ferner der wohl häufig als Nutzfahrzeug produzierte „La Locomotrice“, wobei nicht ausgeschlossen werden kann, daß es sich um ein und denselben Typ handelt, der unter verschiedenen Namen vertrieben wurde. Vielleicht ist auch der 4-Liter-F.N. von 1904 eine Spielart dieses Typs.
Der F.N. 1250 wurde auch in Schweden (Thulin) und Deutschland (AGA) ab 1919 mit leicht vergrößertem Motor in Lizenz gebaut.
Bei den von 1913-14 und dann nochmals 1919-20 produzierten Typen 1950 und 2700 A dürfte der Schwerpunkt der Fertigung in der Vorkriegszeit gelegen haben: Der Automobilbau begann bei F.N. erst wieder im Mai 1920, und da standen modernere Typen zur Verfügung. Bei der Nachkriegsproduktion kann es sich also allenfalls um das Aufbrauchen von 1914 bereits hergestellten, aber noch nicht verbauten Einzelteilen gehandelt haben. Eine gute Zusammenstellung findet sich auch bei http://www.fn-ig.de/fahrzeuge/automobile/index.html

Fondu, Vilvoorde: Die Firma existierte ab 1906 und stellte zunächst große Wagen, ab 1912 Kleinwagen her. Der Fondu 24/30 CV wurde ab 1909 in Riga als Russo-Balt mit Lizenz und von 1919-26 als Prombon in Leningrad (ohne Lizenz) gebaut. Abgesehen davon, daß damit Fondu einen großen Beitrag zur russischen Kraftfahrzeugentwicklung geleistet hat, ist die Marke heute kaum bekannt. Die Tatsache, daß man 1912 in ein völlig anderes Warensegment (Kleinwagen statt großer Wagen) einstieg, zeigt, daß die Firma nicht sehr erfolgreich auf dem Markt war.

Frenay, Lüttich: Die Firma begann 1914 mit der Herstellung eines 1,5-Liter-Wagens. Bis August 1914 sollen 50 Stück fertiggestellt worden sein,. dann ruhte kriegsbedingt die Fertigung, 1919-20 wurden noch einige PKW aus Teilen zusammengesetzt, aber eine Neufertigung nicht wieder aufgenommen.

Germain, Monceau-sur-Sambre: Die Firma baute ab 1897 Panhard- und später auch Renault-Modelle in Lizenz sowie davon abgeleitete Typen. Sie wird als „sehr erfolgreich“ beschrieben, die Jahresproduktion 1901 betrug 150 Autos, und 1904, als das 1000. Fahrzeug gefertigt wurde, 290 Fahrzeuge. Danach wird über die Jahresproduktion nichts mehr gesagt, nach 1918 wurde der Automobilbau nicht wieder aufgenommen: Hieraus schließe ich, daß die Erfolge sich später nicht in der erwarteten Form fortsetzten: Vielleicht hat die Firma sich von der Absatzkrise 1907 nie richtig erholt. Der Schwerpunkt des Angebots lag immer bei Fahrzeugen der Oberklasse mit großen Hubräumen, während der allgemeine Trend ab 1908 zu kleineren Fahrzeugen ging. Ich gehe daher von allmählich ab 1908 sinkenden Produktionsziffern aus. allzu stark kann dieser Sinkflug allerdings nicht gewesen sein, sonst hätte die Firma bereits vor 1914 ihre Tore geschlossen.

Guillon, Brüssel: Von 1899 bis mindestens 1901 bot die Firma neben Fahrrädern auch Automobile an, über Typen und Produktionszahl habe ich nichts in Erfahrung bringen können.

Hermes/HISA (Hermes Italiana SA), Bressoux:  Diese belgisch-italienische Firma produzierte große Wagen von 1906 – 09, teils in Belgien, teils in Neapel (vgl. Italien). Über die Anzahl der hergestellten Autos liegt mir nichts vor, sie dürfte aber nicht allzu groß gewesen sein.

Hermès, Bressoux: Herstellung von Mathis-PKW aus dem damals deutschen Straßburg von 1912 bis Anfang 1914. Über die produzierte Anzahl ist mir nichts bekannt. Trotz ähnlichen Namens und gleichen Produktionsstandortes gibt es offenbar keine Verbindung zwischen Hermes und Hermes/HISA.

HISA (Hermès Italiana SA): Siehe Hermes

Hoflack, Ypern: Von 1900 bis 1901 produzierte diese Firma einen Kleinwagen mit nicht überlieferten Daten in unbekannter Anzahl.

Belgien, PKW bis 1918 – Tabelle

Imperia, Lüttich: Die Firma bestand ab 1906. Man begann zunächst in sehr beengten Verhältnissen mit geringen Stückzahlen. 1910 waren 300 Arbeiter beschäftigt, was eine Produktion von mindestens 150 Autos im Jahr bedeutet, und 1913 sollen über 200 Autos gebaut worden sein. Aufgrund dieser Daten schätze ich die Produktion wie angenommen.

Jenatzi, Lüttich: Herstellung von Elektroautos, 1903 auch mit benzin-elektrischem Antrieb in unbekannter Stückzahl.

Klinkhammers: Siehe Alfa Légia

Knap, Lüttich: Die Firma produzierte von 1898- März 1899 ca. 60 Dreiräder, anschließend nahm sie bis 1902 die Lizenzproduktion des amerikanischen Duryea auf. Von letzterem sollen keine großen Stückzahlen gebaut worden sein, ich schätze die Produktion daher zunächst ähnlich hoch wie die des Dreirades, später sinkend.

Koppel, Lüttich: Produktion von 1901-03 (oder nur 1901?) in unbekannten Stückzahlen.

Langendonck: Siehe Van Langendonck

L’Automobile, Ixelles: Unter diesem besonders phantasievollen Namen wurden von 1899 bis 1902 in Ixelles Autos mit De-Dion-Motor in unbekannter Anzahl fabriziert.

La Gracieuse, Brüssel: Herstellung nur 1899 in unbekannter Zahl.

La Locomotrice: Siehe FN und Nagant

Lefebfre, Ciney: Produktionsbeginn 1900, Produktionsende und Produktionszahl unbekannt.

Legia, Herstal: Herstellung von Dreirädern mit De-Dion- oder Aster-Motoren im Jahr 1900 in unbekannter Anzahl.

Linon, Verviers: Herstellung von Automobilen begann etwa 1898 und endete mit Kriegsausbruch 1914, nach dem ersten Weltkrieg wurde sie nicht wieder aufgenommen. Insgesamt sollen 2.000, nach anderer Ansicht 1000 – 2.000 Autos hergestellt worden sein, ich habe mich daher für einen Mittelweg zwischen beiden Zahlen entschieden und komme bei Unterstellung einer Produktionskurve wie eingangs beschrieben auf die angegebenen Jahresstückzahlen.

Locomotrice: Siehe FN und Nagant

Longtin & Le Hardy, Brüssel: Produktion von 1901-04 in unbekannten Stückzahlen.

Belgien, PKW bis 1918 – Tabelle

Malevez, Namur: Die Firma produzierte von 1903-05 (höchstwahrscheinlich nicht bis 1909) mehrere Typen. 1903 gingen 12 Stück als Taxi nach London, ansonsten ist zu Stückzahlen nichts bekannt, die Produktion dürfte eher gering geblieben sein.

Mans, Brüssel: Herstellung von Dreirädern 1899 bis 1901 in unbekannter Anzahl.

Mathieu: Siehe Delin

Matthys: Siehe L’Automobile

Mécanique & Moteurs, Lüttich: Herstellung von Autos 1903 bis 1906 in unbekannter Stückzahl, dann firmierte die Firma um in Hermes/HISA (siehe oben).

Metaalwerken van Antwerpen: Herstellung von Kleinwagen mit Aster-Motor ab 1899, Produktionsende und Produktionsmenge unbekannt.

Métallurgique, Marchienne-au-Pont: Die Firma bestand von 1899 bis 1927 und war eine der bedeutendsten belgischen Automobilfirmen, die sich schon bald vor allem durch Produktion von Autos der Luxusklasse einen Namen machte, aber auch immer wieder kleinere Wagen im Programm hatte. Chefkonstrukteur war von 1903 bis 1914 der Deutsche Ernst Lehmann. Autos von  Métallurgique wurden auch bei Bergmann in Berlin ab Ende 1909 (oder erst später?) in Lizenz hergestellt, hierbei ist nicht ganz klar, welche Typen nur in Deutschland, nur in Belgien oder möglicherweise in beiden Ländern in der Fertigung waren.
Die Jahresproduktion betrug um 1900 etwa 25 Autos, 1909 schon 250 Autos, und 1913 sollen es sogar 1.000 gewesen sein – eine Zahl, die ich zwar nicht ausschließen möchte, aber etwas anzweifle.
Die wiedergegebene Typenliste dürfte unvollständig sein. Der Publikationsstand ist schlecht – angesichts ihrer Bedeutung in der Vorkriegszeit hätte die Firma eine bessere Behandlung im Schrifttum verdient. Unterstellt man alle Jahresproduktionsangaben als richtig, ergäbe sich etwa die von mir angenommene Produktionskurve.

Meteor, Brüssel: Automobilherstellung 1903-06, Anzahl unbekannt, aber vermutlich gering.

Miesse, Brüssel: Herstellung von ursprünglich dampf-, ab 1904 auch benzinmotorgetriebenen Fahrzeugen. Die Anzahl der jährlich produzierten Fahrzeuge blieb immer relativ klein und erreichte 1913 über 60 Stück, um in den Zwanzigerjahren wieder auf durchschnittlich 50 Stück zu fallen, bis man 1927 den PKW-Bau aufgab und nur noch Nutzfahrzeuge baute.
Insgesamt ist die von mir geschätzte Jahresproduktion sicher nahe der tatsächlichen.

Minerva, Antwerpen: Die berühmteste und auch zahlenmäßig bedeutendste belgische Firma. zunächst Fahrradbau, 1899 – 1903 nur Prototypen, serienmäßige Herstellung von Automobilen ab 1904. Die Firma spezialisierte sich bald auf Autos der Ober- und Luxusklasse, die sie ab 1908/9 bis zu ihrem Ende 1935 mit Schiebermotoren Modell Knight ausrüstete.
1907 sollen 600 Autos, insgesamt von 1904-09 3000 Autos produziert worden sein, 1912 betrug die Produktionsziffer 1200 Exemplare, 1913 waren es 3.000 Stück. Aus diesen Ziffern ergibt sich die von mir angenommene Produktionskurve. Einige interessante Photos gibt es bei https://www.minervacars.com/en/history

Belgien, PKW bis 1918 – Tabelle

Nagant, Lüttich: Ursprünglich Hersteller von Gewehren, begann die Firma1904 mit der serienmäßigen Herstellung von Automobilen, wobei man 1902/3 bereits eine Jahresproduktion von 150 Stück erreichte. Da über Jahresproduktionszahlen in der Folgezeit nichts gesagt wird, schließe ich daraus, daß damit die Blütezeit der Automobilproduktion bei Nagant vorbei war und der Automobilbau neben dem weiter betriebenen Waffengeschäft nur noch eine Nebenrolle spielte.
Dies wird deutlich, wenn man sich die bei Nagant gebauten Modelle ansieht: Der Bau des Typs La Locomotrice, eine in Lizenz gebaute Konstruktion der französischen Firma Rochet-Schneider, wurde 1906 an die Firma FN abgegeben. Stattdessen baute man den 40 CV, einen 7-Liter-Wagen, von dem (wie Vergleiche mit anderen Firmen zeigen) eigentlich nicht mehr als etwa 1 Dutzend jährlich einen Käufer gefunden haben können. Ich schätze, daß die Produktion, wie generell bei Luxusautomobilen, im Jahr nach der Einführung am höchsten war und dann langsam auslief.
Es folgte der kleinere 24CV ab 1907, von dem man etwas größere Stückzahlen erwarten darf, und der noch kleinere 14/16 CV ab 1909. 1911 wurden die bestehenden Typen durch einen 1,9-Literwagen 10/12 CV und einen 5,3-Liter 30/40 CV, später 35/45 CV, abgelöst. Beiden Typen scheint kein dauerhafter Erfolg beschieden gewesen zu sein, sie wurden nach dem ersten Weltkrieg nicht nochmals neu aufgelegt.
1913 wurden diese beiden Typen durch weitere Zwischentypen ergänzt, die auch in der Nachkriegszeit noch kurz angeboten wurden.
Aus der Summe dieser Fahrzeuge ergibt sich die von mir geschätzte Produktionskurve, die sicher in etlichen Punkten kritisierbar ist, aber letztlich nur durch Nachweis der tatsächlich gebauten Stückzahlen tatsächlich widerlegt werden kann.

Nova, Tienen: Produktion nur 1914, „ganz wenige“, also vielleicht 5 – 10 Stück.

Pescatore: Siehe Auto Mixte

Pieper, Nessonvaux: Herstellung 1900 – 1903, Autos mit verschiedenen Motoren und benzinelektrischem Antrieb. Wie immer bei solchen aus dem Rahmen fallenden Sonderkonstruktionen, werden es nicht allzu viele gewesen sein: Ob insgesamt nur 10 – 20 oder vielleicht sogar über 50, bleibt offen.

Pinard, Schaarbeek: Fertigung von 1901-02 in unbekannter Zahl, vermutlich nur wenige, sonst wäre das Unternehmen länger fortgeführt worden.

Pipe, Brüssel: Eine von 1898 – 1932 bestehende Firma, die zu den bedeutenderen belgischen gehört. Die deutsche Firma NSU begann, als sie in den Automobilbau einstieg, mit der Lizenzproduktion von Pipe-Modellen.
Die hier vorgestellte Typentabelle dürfte unvollständig sein, umso mehr wäre eine ausführliche Publikation über die Firma zu begrüßen.
Die Jahresproduktion betrug 1903: 65, 1904: 100, 1905: 180 und 1907 und 1908 je 300 Stück. Aus dem Schweigen für die Zeit danach schließe ich, daß die Firma damit ihren Zenit überschritten hatte und die Produktion danach wieder sank.
Hierfür spricht auch, daß zwar nach dem 1.Weltkrieg die PKW-Produktion nochmals aufgenommen wurde, aber als völlig unbedeutend eingestuft wird, und spätestens 1923 aufgegeben wurde, die LKW-Produktion dauerte bis 1932.

Belgien, PKW bis 1918 – Tabelle

R.A.L.( Raskin Auto Lüttich): Möglicherweise Lizenzproduktion von Autos der französischen Marke Suère. Produktion 1910-14, in diesen 5 Jahren insgesamt 20 Stück gefertigt, also etwa 5 pro Jahr. Ein Produktionsbeginn schon 1908 scheidet aus: Die Firma Suère selbst bestand erst seit 1909.

Royal Star, ab 1910 SAVA (Societé Anversoise pour la fabrication de Societé Voitures Automobiles), Antwerpen: Die Firma, ansässig in der reichen Hafenstadt Antwerpen, hatte mit dieser Stadt und den reichen flandrischen Städten Brügge, Gent und Ostende einen guten Absatzmarkt und gute Exportmöglichkeiten nach Großbritannien. Die Auto-Produktion begann 1904, die Firma kam 1923 zu Minerva. Im Angebot waren –dem damaligen Zeitgeschmack entsprechend- zahlreiche Typen vom Klein- bis zum Luxuswagen.
1905 (ein Jahr nach Produktionsbeginn) soll die Jahresproduktion bereits 200 Automobile betragen haben – eine für diese Zeit recht große Zahl (etwas mehr als Benz, etwas weniger als Opel). Da danach Zahlenangaben fehlen, nehme ich an, daß die Produktionskurve dann zwar zunächst noch anstieg, später aber ab etwa 1910 langsam wieder sank. Dies galt umso mehr, als Royal Star gegenüber der auch in Antwerpen ansässigen Firma Minerva spätestens ab 1906/07 ins Hintertreffen geriet. Alles in allem könnte die Produktionskurve etwa so aussehen wie von mir beziffert.

Ruhl, Dison: Von 1901 bis 1907 (oder 1908) produzierte diese Firma über 100 Automobile, die sich möglicherweise so, wie von mir angenommen, über die einzelnen Jahre verteilen.

Rumpf, Brüssel: Herstellung von Autos ab 1899 bis 1900 oder 1901 in unbekannter Anzahl. Viele werden es nicht gewesen sein, sonst wäre die Produktion nicht spätestens im dritten Jahr wieder eingestellt worden.

SAVA (Societé Anversoise pour la fabrication de Societé Voitures Automobiles): Siehe Royal Star

Simplicia, Mons: Produktion eines Automobils mit unbekannten Daten (der Name läßt einen Kleinwagen vermuten) in unbekannter Anzahl im Jahr 1904.

Snoeck, Ensinval b.Verviers: Fertigung von 1899 bis 1905 (oder nur 1902?). Es wurde eine Vielzahl von Typen angeboten, die offenbar nur in jeweils ganz wenigen Exemplaren (wenn überhaupt) gebaut wurden.

Springue, Huyl: Produktion ab 1907. Die Firma kam 1910 zu Imperia, es wurden aber noch bis 1914  (und aus Einzelteilen einige 1919) unter dem Namen Springuel Autos gebaut.
Springuel baute immer einen Wagen der Oberklasse (vermutlich in sehr geringen Stücken), einen Wagen der oberen Mittelklasse und ab 1911 auch einen der unteren Mittelklasse, letzteren vermutlich in der größten Anzahl. 1913 sollen insgesamt 100 Stück gefertigt worden sein. Daraus schließe ich unter Berücksichtigung der obigen Ausführungen auf die insgesamt produzierten Stückzahlen.

Belgien, PKW bis 1918 – Tabelle

Taunton, Brüssel: Eine britisch-belgische Gemeinschaftskonstruktion (vgl. auch Großbritannien, PKW bis 1918). Geplant war die Herstellung von 2.000 Stück. Als die Produktion aufgenommen werden sollte, brach der 1. Weltkrieg aus. Mehr als höchstens einige Prototypen (in England und in Belgien) sind nie fertiggestellt worden.

Texreira: Siehe ATA

Torpille: Siehe L’Automobile

US (Usine de Saventhem): Siehe Mathieu

Van Langendonck, Brüssel: Fertigung von Kleinwagen 1901-02 in unbekannter Zahl.

Van Walleghem, Brüssel: Produktion eines Wagens mit Einzylinder-De-Dion-Motor 1901-02 in unbekannter Zahl.

Vincke, Mecheln: Herstellung von Automobilen von 1895 bis etwa 1904 oder 1905. Zunächst Benz-Lizenzen, von denen der Typ „Ideal“ viele Käufer gehabt haben und viel exportiert worden sein soll: Damals (ca. 1900) könnte er also in einer Anzahl von 50 bis 100 Stück produziert worden sein. Die übrige Produktion dürfte gering gewesen sein und sich irgendwann nicht mehr rentiert haben.

Vivinus Schaarbeek: Automobilbau von 1899 – 1914, ab 1912 unter dem Kürzel FAB (Fabrique Automobile Belge). Die Firma entwickelte sich zunächst gut und stellte 1905 bereits 250 Automobile her. Danach scheint es aber langsam bergab gegangen zu sein: Die Firma wurde 1911/12 reorganisiert und mit neuen Kapitalgebern, neuem Namen und neuen Modellen weitergeführt, bis sie kriegsbedingt im August 1914 die Produktion beendete. Nach 1918 nahm man Automobilbau nicht wieder auf: Ein Zeichen, daß er auch schon vorher kaum noch Gewinn einbrachte. Ich habe daher eine nach 1905 stagnierende bzw. allmählich sinkende Produktionsziffer angenommen.

Walleghem: Siehe Van Walleghem

Watelet, Brüssel: Produktion nur 1907, „einige“, also möglicherweise ca. 5-10 Stück.

Wilford, Temse: Fertigung 1897-1900. Anzahl unbekannt. Viele werden es nicht gewesen sein, wenn die Produktion schon 1900 wieder endete.