Italien – LKW 1919 – 1945

Allgemeine Gesamtstatistik:

Für die Zeit 1919-45, also an Ende des ersten Weltkrieges bis zum Ende des 2. Weltkrieges, gibt es für die italienische LKW-Produktion zwei Tabellen:
Die erste findet sich in dem zitierten Werk von Pignato/Cappellano, Bd.I auf S.501 und beruht auf Angaben der A.N.F.I.A. Sie unterscheidet bis einschließlich 1924 nicht zwischen PKW und LKW, die runden Zahlen bis 1933 legen die Vermutung nahe, daß es sich bis einschließlich 1933 um gerundete, vielleicht teilweise auch geschätzte Angaben handelt. Erfreulicherweise wird die Tabelle bis 1945 weitergeführt, womit Italien zu den ganz wenigen Ländern gehört, in denen es auch für die Kriegszeit offizielle Angaben zur jährlichen LKW-Gesamtproduktion gibt.
Eine weitere Tabelle findet sich in der in Deutschland ab 1930 jährlich erschienenen vom Reichsverband der deutschen Kraftverkehrswirtschaft herausgegebenen Jahrbuch: „Tatsachen und Zahlen aus der Kraftverkehrswirtschaft“, allerdings nur für die Jahre 1927 bis einschließlich 1938.
Beide Tabellen unterscheiden sich in ihren Angaben teilweise erheblich, insbesondere, wie sich die jährlich produzierten Kraftfahrzeuge in PKW und LKW aufteilen, weniger, was die Gesamtsumme der jährlich produzierten Kraftfahrzeuge (PKW + LKW) betrifft. Dies führe ich darauf zurück, daß insbesondere von der Firma Fiat, aber auch von anderen Firmen auf PKW-Fahrgestell Kasten- und Lieferwagen („Furgoncini“) hergestellt wurden, die in einem Falle (aufgrund gleichen Fahrgestells) den PKW, in anderen Fällen (aufgrund des Einsatzzweckes) den LKW zugerechnet wurden. Ferner spricht die Tabelle der A.N.F.I.A. nicht von „Camione“ (=LKW), sondern von „Autoveicoli industriali“, also „industriellen“ oder besser „Wirtschaftsfahrzeugen“, der Begriff ähnelt daher dem englischen „commercial car“, wozu bekanntlich alle Kraftfahrzeuge gehören, die Erwerbszwecken dienen, also z.B. auch Taxis.
Unterschiede der Tabellen in der Gesamtzahl mögen sich aus Rundungsdifferenzen, unterschiedlicher Angabe der Firmen (Kalenderjahr / Geschäftsjahr / Modelljahr, Produktion oder Absatz), aber auch aus Rechenfehlern und Zahlendrehern ergeben.
Eine Überprüfung ergab, daß offenbar bei den publizierten Zahlen auch die vor allem ab 1940 sehr zahlreich produzierten LKW für das Militär mit eingerechnet sind, ebenso offenbar die zahlreich für das Militär gebauten Radzugmaschinen, nicht jedoch Ackerschlepper und Raupenschlepper sowie sonstige meist militärische Spezialfahrzeuge (Panzer u.ä.) Nicht eingeschlossen in diesen offiziellen Zahlen sind auch Lastendreiräder.

Literatur: Siehe Italien, Einführung. Spezielle Literatur zur Geschichte einzelner Marken findet sich in der Spalte „Bemerkungen“.

 Italien, LKW 1919 – 1945, Tabelle

 Die einzelnen Marken:

Fiat , , Turin: Stellte in der Zwischenkriegszeit nicht nur die meisten PKW, sondern auch die meisten LKW her, nachdem bereits im 1.Weltkrieg für damalige Verhältnisse gewaltige Stückzahlen von 15.000 – 20.000 LKW jährlich die Fabrik verließen. Die Summe aller jährlich produzierten LKW ist bei Zampini Zalazar und zuckerfabrik24 fast vollständig exakt aufgeführt, jedoch bedauerlicherweise nicht die Zahl der jeweils jährlich gebauten einzelnen Modelle. Es ist sogar nicht einmal klar, welche Modelle Zalazar bzw. die von ihm genutzte Quelle als LKW gerechnet hat: Nachdem der Fiat 1100L –meist mit Lieferwagen-Aufbau versehen- trotz dieses Aufbaus zu den PKW gerechnet wird, gehe ich daher davon aus, daß auch andere Lieferwagen auf PKW-Basis (Fiat 509 F, 508 F) unabhängig von ihrem Aufbau zu den PKW gezählt werden.
Wie sich die übrigen LKW-Typen auf die einzelnen Jahre verteilen, habe ich mengenmäßig lediglich schätzen können, wobei ich davon ausgegangen bin, daß von den leichteren LKW mehr, von den schweren LKW weniger produziert wurden. Gleichwohl ist natürlich die Schätzung manchmal vom Kaffeesatzlesen nicht leicht zu unterscheiden, zumal ich nirgendwo eine Möglichkeit der Korrektur hatte.
Klar ist lediglich, daß die an manchen Stellen behauptete Produktion von 40.000 Fiat 621 ins Reich der Fabel gehört: Mit allen Varianten können es 15.000 bis maximal 20.000 gewesen sein.
In den bei Zalazar genannten jährlichen Gesamtzahlen sind ab 1926 auch die unter dem Namen SPA, ab 1932 auch die unter dem Namen Ceirano gefertigten eingeschlossen, da beide Firmen 1926 bzw. 1932 zum FIAT-Konzern kamen.

Italien, LKW 1919 – 1945, Tabelle

SPA, Turin: LKW-Bau seit 1908 in unbekannter Anzahl. Die Firma kam 1926 zu Fiat. Typenliste möglicherweise unvollständig. Die geschätzten Zahlen der einzelnen Typen sind deshalb nicht völlig willkürlich, weil zumindest bis 1925 außer SPA nur Fiat und Lancia LKW bauten, von diesen die Summe feststeht, und daher die Differenz zur Gesamtsumme aller gebauten LKW die LKW von SPA ergibt.
SPA 6000: Produktionsende 1928 von mir vermutet – bei vorherigem Produktionsende hätte SPA bis zum Produktionsbeginn des Typ 30 im Jahr 1929 keinen Dreitonner gefertigt. Das scheint indessen nicht nachvollziehbar: Der Dreitonner war in der Zwishenkriegszeit allenthalben der „Stanard“-LKW, ein Verzicht auf diesen Typ ist bei einer Firma, die sich auf Bau von LKW spezialisiert hatte, eigentlich nicht denkbar.
SPA 9000: Produktionsende 1925 von mir geschätzt.
SPA 30, 31C: Produktion 1929 bis 1934, Umfang anhand der Zahlen der Vorgängertypen geschätzt.
SPA 25: Produktion 1925 bis 1934 bzw.1937, Anzahl geschätzt anhand der Tatsache, daß 1935 855 Stück im Äthiopien-Feldzug eingesetzt waren.
Übrige SPA-Typen: Produktionsumfang anhand der Bestellungen für das italienische Militär und sonstige Armeen geschätzt.

Ceirano, Turin: LKW-Bau von 1925 bis 1939 in unbekannter Anzahl. Typenliste möglicherweise unvollständig.
Typ 22C von ca. 1925 bis 1927 in unbekannter Stückzahl.
Typen 50M und 47M von 1927 bis 1939, beide wohl vor allem für das Militär, Mengen anhand der für das Militär erfolgten Bestellungen geschätzt.

Italien, LKW 1919 – 1945, Tabelle

Alfa Romeo, Mailand: LKW-Bau seit 1931. Typenliste vollständig, produzierte Anzahl je Typ vorhanden. Die für 1935 bis 1937 angegebenen Verkaufszahlen sind für die Jahresproduktion wenig aussagekräftig, weil nicht klar ist, was verkauft wurde: Bereits vor Jahren fertiggestellte LKW? Oder LKW, die erst in Zukunft irgendwann fertiggestellt werden würden?

 Ansaldo, Genua: LKW-Bau von 1930 bis 1932 in unbekannter Anzahl. Typenliste möglicherweise unvollständig. Schätzung sehr vage und mit größter Vorsicht zu genießen – vielleicht waren es erheblich weniger LKW: die kurze Produktionsdauer und der generelle Mißerfolg der Marke legt es nahe.

Bianchi, Mailand: Erneuter LKW-Bau ab 1936 in unbekannter Anzahl. Verwendung von Mercedes-Motoren (Lizenzbau). Typenliste wohl vollständig. Die Produktion ab 1940 orientiert sich an den Bestellungen für das italienische Heer, für die Zeit davor in etwa an der späteren Kriegsproduktion. Die Angabe „über 10.000“ für alle Bianchi-LKW 1936-45 ist durchaus realistisch.

Isotta-Fraschini, Mailand: LKW-Bau erneut ab 1933, Motoren Lizenz MAN. Typenliste wohl vollständig. Stückzahlen der einzelnen Typen meist aus „Kennblätter italienischer Kraftfahrzeug-Typen“, im übrigen geschätzt.

Lancia, Turin: LKW-Bau seit 1912. Typenliste vollständig. Gesamt-Jahresproduktion sowie von jedem Typ die Gesamtproduktion vorhanden. Jährliche Produktion der einzelnen Typen anhand der Gesamtproduktion ermittelt, für die ab 1939 gebauten Typen detailliert angegeben.

OM, Brescia u. Mailand: Erneuter LKW-Bau ab 1925. Typenliste wohl vollständig. Für die zunächst gebauten kleineren Typen OM-PKW-Motoren, für die ab 1928 erschienenen schwereren Typen Saurer-Lizenzen. Produktionsumfang geschätzt ab 1935 anhand der Bestellungen für das italienische Heer, für die Zeit davor anhand des späteren Umfanges, entsprechend verringert. Es ist bedauerlich, daß es von diesem zweitgrößten italienischen LKW-Produzenten keine Firmengeschichte mit brauchbaren Daten gibt.

Italien, LKW 1919 – 1945, Tabelle

Dreiräder:

Zum Lastentransport geeignete aus Motorrädern entwickelte Dreiräder gab es in Italien ab Ende der Zwanzigerjahre. Eine offizielle Statistik für diese Gefährte ist mir nicht bekannt. Zu den LKW im Sinne der obigen Statistik zählten sie jedenfalls offensichtlich nicht.
Sämtliche italienischen Lastendreiräder waren im Prinzip Motorräder mit einer hinteren Achse. Gesonderte Dreiradentwicklungen wie Goliath oder Tempo in Deutschland oder Reliant in Großbritannien gab es nicht. Das Lastendreirad spielte auch zahlenmäßig im Italien der Zwischenkriegszeit noch keine große Rolle, das sollte sich erst nach dem 2. Weltkrieg ändern.

Benelli, Pesaro: Lastendreiräder ab 1930. Typenliste wahrscheinlich unvollständig.  Mengenmäßig geschätzt habe ich nur den ausschließlich für das Militär gebauten Typ Mototriciclo M36 anhand der vom italienischen Heer ergangenen Bestellungen.

Bianchi, Mailand: Lastendreiräder ab 1930. Typenliste wahrscheinlich unvollständig. Vom Typ Supermil 500 M 37 bzw. 500 MCU sind 272 Stück 1944 für die Deutsche Wehrmacht gefertigt worden, im übrigen fehlen jegliche Zahlenangaben.

Frera, Tradate: Die bis 1933 bestehende Motorradfirma bot Lastendreiräder ab 1930 an. Viele werden bis zum Ende der Firma (1933) nicht mehr gebaut worden sein.

Gilera, Mailand: Lastendreiräder ab 1936. Typenliste wahrscheinlich vollständig, Produktionszeiten der einzelnen Typen angegeben. Anhand der für 1943/4 vorliegenden Produktionszahlen habe ich eine Schätzung der Gesamtproduktion gewagt.

Moto Guzzi, Como: Lastendreiräder ab 1928. Typenliste wahrscheinlich unvollständig, die Produkte der bekannten Motorradmarke sind gut publiziert. Lediglich vom Modell 107 fehlen Stückzahlen.

Moto Morini, Bologna: Die Firma stellte keine Motorräder, sondern nur Lastendreiräder ab 1937 bis 1940 für den zivilen Gebrauch her. Ich habe die Produktion geschätzt wie angegeben.

Sertum, Mailand: Lastendreiräder ab ca. 1938. Typenliste möglicherweise unvollständig. Aufgrund der Tatsache, daß 93 Stück 1944 an die Deutsche Wehrmacht geliefert wurden, habe ich die wohl 1941 begonnene Produktion geschätzt wie angegeben.