Deutschland – sonstige Kraftfahrzeuge bis 1918

Gesamtstatistik:

In der offiziellen Gesamtstatistik sind sonstige oder „Spezialfahrzeuge“ ein erstes Mal 1903 und 1906 gesondert ausgeworfen.
Ferner gibt es eine nichtamtliche (?) Statistik der im 1. Weltkrieg gebauten (oder nur der an das Heer gelieferten?) sonstigen Fahrzeuge, die Herkunft dieser Statistik konnte ich allerdings noch nicht näher nachprüfen.
Unter „Sonstige Fahrzeuge“ dürften wohl in erster Linie die gerade in Deutschland aufkommenden Trag- und Motorpflüge zu verstehen sein, ferner Zugmaschinen –vor allem für das Militär- sowie Spezialfahrzeuge für das Militär wie beispielsweise die überpanzerten mit einem Geschütz versehenen Plattformwagen, möglicherweise aber auch Fahrzeuge mit Sonderaufbauten (z.B. Feuerwehrfahrzeuge), und das kann auch von Jahr zu Jahr wechseln.

Der heutige Leser wird erwarten, daß 1914 die gesamte Schlepper-Produktion umgestellt worden sei, um Artillerieschlepper zu produzieren. Dem war indessen nicht so. Stattdessen fertigte man in relativ großer Zahl weiterhin diverse Trag-, Gelenk- und sonstige Motorpflüge, die auch vom Heer – gerade an der Ostfront- bei den Etappen-Kraftfahrzeug-Parks eingesetzt waren, um große Landflächen zu beackern. Um auch schwere Geschütze zu ziehen, zog man Pferde vor, der Motorzug gewann erst ganz langsam 1917/8 an Bedeutung. Dieses Phänomen zeigt wohl mehr als deutlich, wie unzuverlässig damals noch Kraftfahrzeuge arbeiteten, sodaß man sie eigentlich beim Militär nicht brauchen konnte.

 Literatur: Siehe Deutschland, Einführung. Insbesondere wurden verwertet:
Bauer, Armin, Schlepper, Augsburg 1997
Gebhard, Wolfgang, Taschenbuch Deutscher Schlepper-Bau , 2 Bde., Stuttgart 1989(
Gebh.89)
Gebhard, Wolfgang, Deutsche Traktoren seit 1907, Stuttgart 2006 (Gebh.06)
Gebhard, Wolfgang, Deutsche Traktoren seit 1907 – die große Enzyklopädie, Stuttgart 2017 (Gebh.17)
Gebhard, Wolfgang, Eilschlepper und Straßenzugmaschinen  1903-1956, Typenkompaß, Stuttgart 2019 (Gebh.Eilschl.)
Herrmann, Klaus, Ackergiganten, Augsburg 1997 (AGig + S.)
Jahrbuch Traktoren, mehrere Jahrgänge (TraktJB)

Als besonders wertvoll stellte sich die Dissertation von Bredemann, Fritz:“Die Bewährung, Eignung und Verteilung der Motorpflüge in der deutschen Landwirtschaft „, Halle 1927 heraus. Der Verfasser befragte Ende 1924 alle damaligen Besitzer landwirtschaftlicher Schlepper und Motorpflüge (ca.7.000) nach Typ, Baujahr und Eignung ihres Traktors und erhielt 2.372 brauchbare Antworten (= rund 1/3 der Befragten). Für die hier gesammelten Daten waren insbesondere die Antworten zu Typ und Baujahr wichtig. Nachdem etwa 1/3 antwortete, ist zu schließen, daß die Anzahl der am 31.12.1924  in Gebrauch befindlichen Traktoren rd. dreimal so hoch war. Angesichts der Tatsache, daß von den hier in Betracht kommenden Typen und Baujahren (1910 bis 1918) im Jahr 1924 bereits ein Teil verschrottet worden sein dürfte, wurde zur Feststellung der ursprünglichen Produktionszahl die Zahl der ausweislich der Fragebögen vorhandenen Traktoren nicht mit 3, sondern mit 4 multipliziert und dann zum nächsten Zehner auf- oder abgerundet.

Spezielle Literatur zur Geschichte einzelner Marken findet sich als Kommentar in der jeweiligen ersten Zeile einer Marke in der Spalte „Bemerkungen“.

Deutschland, sonstige Kraftfahrzeuge bis 1918 – Tabelle

Marken der sonstigen Kraftfahrzeuge:

Akra: Siehe Kyffhäuser

Arator: Siehe Märkische Motorpflug:

Benz, Mannheim: 105 Stück eines Artillerieschleppers 1917-18, ferner 50 Stück eines leichteren Artillerieschleppers, die jedoch nicht mehr an das Heer ausgeliefert, sondern wegen Kriegsendes verschrottet wurden.

Bergmann: Siehe SAF

Bothe: Siehe Märkische Motorpflug

Büssing, Braunschweig: 109 Kraftzugwagen und 180 Munitionsschlepper 1916-18

Daimler, Marienfelde: 57 Stück des Krupp-Daimler-Wagens mit 7,7 cm-Flak, insgesamt 1005 Krupp-Daimler (KD)1 Zugmaschinen 4×4 bis Kriegsende, 23 oder nur 20 Sturmpanzerwagen A7V und ca. 75 Munitionstanks.

Deutsche Motorpflug- und Lokomotivfabrik, Berlin: Fertigung eines Motorpfluges 1916-18 in unbekannter Anzahl

Deutsche Zugmaschinen-Fabrik, Halle a.S.: Fertigung von Raupenschleppern 1912 bis 1922, bis 1918 nur Prototypen?

Deutz, Köln: 40 Stück einer Artilleriezugmaschine 1917-18

Dürrkopp, Bielefeld: 91 Stück eines Artillerieschleppers 1917-18

Ehrhardt, Zella-St.Blasii: 39 Artillerie-Zugmaschinen und 13 Straßenpanzerwagen 1916-18 – die ersten erfolgreichen Straßenpanzerwagen auf deutscher Seite. Weitere entstanden nach Kriegsende.

Flöther, Gassen (Niederlausitz): Produktion von Motorpflügen 1912 bis 1914 in unbekannter Stückzahl.

Gast, Berlin: Fertigung von Motorpflügen Typ „Spinne“ und „Star“ 1911-18 in unbekannter wohl geringer Anzahl

Deutschland, sonstige Kraftfahrzeuge bis 1918 – Tabelle

Hanomag, Hannover: Fertigung des Wendeler-Dohrn (WD-) Motorpfluges in mehreren Varianten und Motoren seit 1912. Die Behauptung, bis in die Zwanzigerjahre seien insgesamt etwa 1.000 Stück gefertigt worden, läßt sich nicht nachvollziehen, auch die Angabe bei www.fahrzeugseiten (über 500)  ist wohl noch zu hoch.: Zum 66/70PS-Typ gibt es Zahlen bei Bredemann, die eine Produktion von ca.120 Stück von 1915-18 als realistisch erscheinen lassen. Für die Zeit 1919 bis 1922 errechnen sich nach der gleichen Quelle weitere 105 Stück. Für die von 1912 bis 1915 gebauten gibt es kein Zahlenmaterial, angesichts der 1915 bis 1918 gebauten mögen es weitere 120 Stück gewesen sein, alles zusammen also etwa 350 Stück.

Hansa -Lloyd, Bremen: Herstellung eines Traktors HL25 und HL 35 „Treff Bube“ von 1916 bis 1924, deren Anzahl dank der Arbeit von Bredemann für die Zeit 1915 bis 1918 auf ca.175 bzw. ca. 150 Stück geschätzt werden kann, dazu eine stärkere Zugmaschine HL 50, über deren Produktion (auch bei Bredemann) nichts bekannt ist – vielleicht war es nur ein Prototyp.

HaWa (Hannoversche Waggonfabrik), Hannover: Produktion von Motorpflügen ab 1918 (oder erst ab 1919?)

Hartmann, Berlin: Produktion von Motorpflügen 1910 bis 1914, nur Einzelstücke.

Hazet: 14 Stück einer Artilleriekraftzugmaschine bis 1918. Weiteres ist über die Firma nicht bekannt.

Heuser, Frankfurt am Main: Herstellung von dreirädrigen Kehrsmaschinen 1911 bis 1914 in unbekannter Stückzahl. Nach 1918 erfolgte der Weiterbau dieser Fahrzeuge bei Krupp.

Horch, Zwickau: Produktion von 154 Stück eines Artillerieschleppers 1917-18

Hunger, Schweidnitz: Fertigung mehrerer Typen von Traktoren ab 1912 bis 1918. Über Produktionszeit und Stückzahlen der einzelnen Typen ist nichts bekannt. Auch Bredemann erwähnt die Firma nicht, die Produktion muß also ganz unbedeutend gewesen sein (nur wenige Stücke)

Ilsenburger, Ilsenburg a.H.: Bau von Schleppflügen 1911-18 in unbekannter Anzahl. Bredemann erwähnt die Firma nicht, die Produktion muß also ganz unbedeutend gewesen sein (nur wenige Stücke)

Deutschland, sonstige Kraftfahrzeuge bis 1918 – Tabelle

Keller, Hoerschel b.Laggenbeck (Westf.): Herstellung eines Traktors 1902-3 in unbekannter Zahl, vielleicht nur ein Prototyp

Komnick, Elbing: Produktion von Tragpflügen ab 1911 in unbekannter Stückzahl.

Kuers, Berlin: Produktion einer „Ergomobil“ genannten Motorwinde, 1912 bis 1921 insgesamt 12 Stück, im Schnitt also etwa eine pro Jahr.

Kyffhäuserhütte, Artern: Fertigung von Motorpflügen 1912-27 in unbekannter Anzahl. Bredemann erwähnt nur den ab 1920 gebauten Kleinpflug, die vorherige Produktion muß also ganz unbedeutend gewesen sein (1 – 2 Stück im Jahr).

Lanz, Mannheim: Fertigung von Motorpflügen seit 1912 in unbekannter wohl größerer Anzahl, nach Bredemann etwa 50 bis 60 Stück eines „Landbaumotor“ genannten Tragpfluges 1914 bis 1918. Ferner Produktion von 97 Stück eines Artillerieschleppers 1915-18.

Löcknitzer, Löcknitz b. Stettin: Produktion von Seilpflügen 1913 bis 1918 in unbekannter wohl ganz geringer Stückzahl.

MAF, Markranstädt: 1916-18 Bau von Schleppern für den Heeresbedarf, wahrscheinlich nur Prototypen, die sich nicht bewährten: Die Fahrzeuge haben im Vergleich zu anderen gleichzeitig gefertigten einen relativ schwachen Motor.

Märkische Motorpflug-Fabrik, ab 1912: Standard Motorpflug-Gesellschaft, ab 1914: Fertigung von Traktoren mit dem Namen „Arator“ von 1911 bis 1918 in unbekannter eher geringer Anzahl, möglicherweise einige Typen nur als Einzelstücke. Ferner Produktion von Bothe-Zugmaschinen für den Heeresbedarf. Weiterbau des „Arator“ ab 1919 durch die Oberschlesische Eisenbahn-Bedarfs-AG. Bei Bredemann findet die Marke keinerlei Erwähnung.

Maschinen-Centrale Rathenow: Fertigung eines Tragpfluges mit dem Namen „Armin“ 1911-14 in unbekannter Anzahl

Mercur, Berlin: Bau eines kleinen Motorpfluges zumindest 1917, vielleicht auch noch danach, in unbekannter Anzahl, möglicherweise auch nur ein Einzelstück

Müller, Berlin: 1908 bis 1911 Herstellung einer benzinelektrischen Straßenzugmaschine ähnlich dem österreichischen „Landwehr-Zug“, wahrscheinlich nur ein (oder mehrere) Prototypen.

München-Sendling: Herstellung von Motorpflügen und Traktoren seit 1909, technische Daten, Fertigungszeitraum und gefertigte Stückzahl der einzelnen Typen im wesentlichen unbekannt. Irgendwann im ersten Weltkrieg Bau einer Artillerie-Zugmaschine, möglicherweise nur ein Versuchsbau, auch hier Näheres unbekannt. Bredemann erwähnt die Firma nicht, die Produktion muß also ganz unbedeutend gewesen sein (nur wenige Stücke).

Oberbau-Bedarf: Siehe  Märkische Motorpflug-Fabrik

Opel, Rüsselsheim: Bau eines  Motorpfluges 1912 (vermutlich nur Prototyp), ferner 1918 (und iwohl auch noch einige Zeit danach) Bau einer leichten Zugmaschine (für Heereszwecke?) mit dem Motor des Regel-Viertonners in unbekannten Stückzahlen, vielleicht auch hier nur Prototyp.

Deutschland, sonstige Kraftfahrzeuge bis 1918 – Tabelle

Phoenix, Sorau (Schlesien): Fertigung von Motorpflügen 1911-19, Daten, Produktionszeiten und Anzahl unbekannt. Bredemann erwähnt die Firma nicht, die Produktion muß also ganz unbedeutend gewesen sein (nur wenige Stücke)

Podeus, Wismar: Produktion von Motorpflügen seit etwa 1912 in unbekannter Anzahl. Ferner ab 1913/4 Fertigung von schweren Traktoren, unter anderem zum Ziehen der Einzellasten des 42cm-Mörsers „Gamma M“, auch „dicke Berta“ genannt, in unbekannter Anzahl: Ein Geschütz wurde in 5 Lasten transportiert: Für eine Batterie zu 2 Geschützen, deren es bei Kriegsbeginn 2 gab, brauchte man also gem. Kriegsstärkenachweis (KStN) einschl. Reserven 12 Zugmaschinen: Demnach wären 1914 also 24 Stück gefertigt worden. Unklar ist allerdings, ob Podeus 1914 der einzige Hersteller solcher Zugmaschinen war. Jedenfalls war der Podeus-Schlepper 1914 der einzige, der nach Ansicht der befaßten Militärbehörden halbwegs zufriedenstellend arbeitete.

Pöhl, Gößnitz: Bredemann erwähnt die Firma für die Zeit bis 1918 nicht, woraus auf eine ganz geringe Produktion geschlossen werden kann (pro Typ nur ca. 1 bis 2 Exemplare) Ab 1910/11 zunächst Bau von Tragpflügen, sodann ab ca.1911/12 von Gelenkpflügen: Bei Gelenkpflügen ist die Pflugschar nicht fest mit dem Vorderwagen in einem Rahmen verbunden, sondern an einem Gelenk kippbar angebracht und kann bei der Feldarbeit abgesenkt, zum Straßentransport angehoben oder auch ganz demontiert werden – in letzterem Fall entsteht ein ganz normaler Ackerschlepper. Es scheinen aber nur Versuchs- und Einzelstücke, bestenfalls Kleinserien entstanden zu sein.
Im ersten Weltkrieg entstand eine Artilleriezugmaschine, von der  83 Stück bis 1918 hergestellt, jedoch offenbar nicht alle abgenommen wurden, sodaß sie teilweise noch bis 1924 als Seilwinden für Kippflüge wie sauer Bier angeboten wurden.

Ruhrthaler, Mühlheim/Ruhr: Produktion des Motorpfluges „Schwadyk I“ seit 1915 bis 1918, nach den Angaben bei Bredemann auf etwa 1 Dutzend zu schätzen, dazu 1918 ca. 10 Stück eines stärkeren Typs „Schwadyk II“.

Ruhrwerk, Duisburg: Fertigung von Motorpflügen und Traktoren 1911-15 in unbekannter wohl sehr geringer Anzahl

Deutschland, sonstige Kraftfahrzeuge bis 1918 – Tabelle

SAF (Süddeutsche Automobil-Fabrik), Gaggenau: Herstellung einer Zugmaschine 1906, möglicherweise nur ein Einzelstück.

Scheffeldt, Coburg: Produktion von Motorpflügen 1914 bis 1920 in unbekannter wohl ganz geringer Stückzahl: Bei Bredemann wird die Firma nicht erwähnt.

Schwäbische Hüttenwerke, Böblingen: Fertigung von Tragpflügen 1912-21 in unbekannter geringer Anzahl

Sendling: siehe München-Sendling

Siemens, Berlin: Herstellung von Fräsen, vor allem der vielfach nachgebauten „Gutsfräse System Meyenburg“ ab 1910 bis 1934 in unbekannter zumindest bis 1918 ganz geringer Anzahl.

Standard-Motorpflug-Gesellschaft: siehe Märkische Motorpflug-Fabrik

Stock, Berlin: Produktion von Motorpflügen seit 1909 in für damalige Zeit großer Stückzahl, Stock war bis in die Zwanzigerjahre der bedeutendste Motorpflughersteller in Deutschland:
6Schar-Typ Stokraft, 42 und 48 PS: gebaut wohl von 1910 bis 1914, bis 1912 sollen 360 Stück gebaut worden sein, was erheblich zu hoch erscheint: Bredemann weist 2 Stück für 1910, 6 Stück für 1911, 9 Stück für 1912, 6 Stück für 1913, 2 Stück für 1914, zusammen also 25 Stück nach: Angesichts der Tatsache, daß diese Pflüge Ende 1924 zwischen 10 und 14 Jahre zählten (ein Teil also bereits verschrottet war) und 1910-14 sicher etliche auch in den Export gingen, scheint es angemessen, die Zahl der 1924 noch existierenden mit 5 zu multiplizieren, um die Stückzahl der seinerzeit gebauten zu ermitteln. Es errechnen sich dann 125 Stück. Multipliziert man mit 6, so wären es 150 Stück – aber immer noch keine 360.

Großpflug 50/60PS: Gebaut ab 1914. Die Zahl der bei Bredemann Ende 1924 im Bestand nachgewiesenen wurde mit 4 multipliziert, um die Zahl der seinerzeit gebauten zu ermitteln, da auch diese Pflüge 1924 schon betagt waren und 1914-18 sicher etliche an das Militär gingen, die 1924 nicht mehr vorhanden waren. Es errechnen sich damit für die Zeit 1914-18 ca. 175 Stück.

Großpflug 80 PS/ Peabogro sowie kleinere Pflüge (Stockpflug): Bei Bredemann keine Zahlenangaben: Entweder in der Zahl der 50/60PS enthalten oder aber in derart unbedeutender Menge gebaut, daß sie bei Bredemann nicht erwähnt werden.

Vollnhals: siehe München-Sendling

Wendeler-Dorn: siehe Hanomag

Wiss: siehe Daimler

Deutschland, sonstige Kraftfahrzeuge bis 1918 – Tabelle