Schweiz – Kraftfahrzeuge bis 1918

Allgemeine Gesamtstatistik: 
Eine offizielle Statistik der Schweizer Automobilproduktion scheint es (ähnlich wie in fast allen anderen Ländern) für die Zeit bis 1918 nicht gegeben zu haben. Die hier vorgelegte Gesamtschätzung wurde aufgrund der Monographie von Schmied erstellt und ergibt ein in Teilen unvollständiges, aber grundsätzlich wohl realistisches Bild. Es fehlen nur zu einigen kleineren Marken Zahlenangaben, die Gesamtsumme der geschätzten Automobile dürfte sich daher um maximal 20% erhöhen.
Auffällig groß ist die Anzahl von Firmen, die bereits sehr früh (etwa um 1900) auch oder sogar nur LKW anboten: Der LKW gewann anderswo eigentlich erst etwa 1910 an Bedeutung, bis dahin bevorzugte man den zuverlässigeren Pferdezug, und der Überlandverkehr wurde ohnehin bis in die Dreißigerjahre nur über Bahnen abgewickelt. In der Schweiz mögen besondere geographische Faktoren eine Rolle gespielt haben: Es gab viele hoch- und abgelegene Siedlungsstätten, die mit der Bahn nicht zu erreichen waren. Ebenso waren Pferde wegen der Steilheit der Wegstrecke überfordert. So mag der Motortransport die einzige wirtschaftliche Möglichkeit gewesen sein, diese Regionen verkehrstechnisch zu erschließen.
Es gibt des weiteren eine Exportstatistik für die Jahre 1906 bis 1919, die aber zumindest für die Kriegszeit nicht stimmen kann: Hier müssen viel mehr LKW an die kriegführenden Staaten exportiert worden sein. Vielleicht hat die Schweiz, sehr auf ihre Neutralität bedacht, hier bewußt einen Teil ihres Exportes verschwiegen?

 Literatur: Siehe Schweiz, Einführung. Spezielle Literatur zur Geschichte einzelner Marken findet sich in der Spalte „Bemerkungen“.

Schweiz, Kraftfahrzeuge bis 1918, Tabelle

Die einzelnen Automobilmarken:

Aigner: Siehe Ajax

Ajax: Produktion von 1906-10 im angegebenen Umfang, wie der Tabelle entnommen werden kann.

Ansemier: Produktion „einiger“ (5?) Fahrzeuge im Jahr 1906.

Arbenz: Herstellung von LKW ab 1904 bis 1922. Bis 1913 1,5-Tonner, Zwei- und Dreitonner in unbekannter Zahl. 1913 entstand ein Dreitonner, von dem bis 1922 immerhin 3.000 Stück abgeliefert wurden, davon etliche im 1.Weltkrieg an Deutschland (Die Schweiz, die sehr auf ihre Neutralität bedacht war, lieferte andererseits Berna-LKW an Großbritannien und Saurer-LKW an Frankreich). Die Produktion von 1914-8 geschah mit Sicherheit nicht so gleichmäßig wie von mir dargestellt – wie sie allerdings verlief, weiß ich auch nicht, und mir ging es zunächst nur darum, die ungefähre Größenordnung der Jahresproduktion zu erfassen.

Asper: Fertigung eines großen PKW 1908 bis 1911 oder 1910, insgesamt ca. 30 Stück, die ich wie angegeben verteilt habe.

Berna: Produktion ab 1902, fast nur LKW, im Jahr 1906 auch 6 PKW. Über den Umfang der Vorkriegsproduktion ist nichts bekannt, die Typenübersicht sicherlich unvollständig, für die Kriegsproduktion gilt das zu Arbenz Gesagte entsprechend. Haupttyp scheint der 3,5-Tonner Berna C2 gewesen zu sein, der bis 1928 in Produktion blieb und von dem „mehrere Tausend“ produziert worden sein sollen. Nachdem in den Zwanzigerjahren die LKW-Produktion ganz gering war, muß der Hauptteil dieser „mehreren Tausend“ (also mindestens 2.000, eher zwischen 3.000 und 4.000) im Kriege gefertigt worden sein. Nachdem die gegenüber Berna kleinere Firma Arbenz zwischen 1914 und 1918 jährlich mindestens 500 LKW gefertigt haben muß, die gegenüber Berna größere Firma Saurer wahrscheinlich um die 800 im Jahr, muß die Jahresproduktion von Berna irgendwo dazwischen gelegen haben (etwa 600, eher 700 Stück jährlich).

Broncincevic: Siehe FBW

Brunau-Weidmann: Produktion von Automobilen 1905 bis 1908. Mehrere Typen. Anzahl unbekannt.

Schweiz, Kraftfahrzeuge bis 1918, Tabelle

CIEM-Stella (Compagnie de’l Industrie Electrique et Mecanique): Fertigung von Autos 1904 bis 1913. Mehrere Typen. Insgesamt sollen über 200 Autos gefertigt worden sein, deren Verteilung auf die Jahre ich geschätzt habe wie abgegeben.

Durfaux: Herstellung von Rennwagen mit riesigen Zylinderabmessungen in einzelnen Stücken von 1904-08.

Dufour: Produktion von Kraftfahrzeugen 1897 bis 1914. Ab 1905 vor allem LKW. Typenliste sicher unvollständig. Über Stückzahlen ist nichts bekannt: Zwischen 5 und 50 pro Jahr ist alles denkbar.

Egg & Eggli: Älteste Automobilfabrik der Schweiz. Produktion von Kraftfahrzeugen 1897 bis 1921 oder 1922. Ab 1896 bis 1900 Produktion eines Dreirades mit De-Dion-Motor. Es folgten weitere Modelle, vielfach Lizenzbauten. Die Typenliste ist höchstwahrscheinlich unvollständig. Über die Gesamt- oder Jahresfertigung ist nichts gesagt.

Ernst: Produktion von Automobilen 1905 bis 1908. Fahrgestell und Motor aus Frankreich, also reiner Karosseriebetrieb. Anzahl unbekannt, ich habe insgesamt 13 Stück wie angegeben geschätzt – es können auch 20 oder nur 10 gewesen sein.

Excelsior: Herstellung von Automobilen 1905 bis 1908. Typen und Anzahl unbekannt, ich habe insgesamt 9 Stück wie angegeben geschätzt.

Fischer: Fertigung von Autos 1908 bis etwa 1920. Typenliste unvollständig. Haupttyp war wohl ein 35-PS-Wagen mit Schieber-Motor, der von 1911-13 in knapp 200 Stück gebaut und dessen Produktion 1914 eingestellt wurde. Über weitere Stückzahlen nichts bekannt.

FBW (Franz Brozincevic Wetzikon): Bau eines großen PKW in 70 Stück von 1911-15, danach nur noch Nutzfahrzeuge: Meist mit Spezialaufbauten für kommunale Zwecke als Einzelstücke oder in sehr kleinen Stückzahlen.

Franz; Siehe FBW

Henriod: Bau von Automobilen 1893 bis 1898 oder 1903. Typenliste wohl unvollständig, gebaute Stückzahl unbekannt.

Herkules: Fertigung von LKW 1900 bis 1913. Typenliste sicher unvollständig. Über Stückzahlen nichts bekannt.

Schweiz, Kraftfahrzeuge bis 1918, Tabelle

JM: Herstellung eines Kleinwagens 1913 in Genf. Über Stückzahlen ist nichts bekannt: Zwischen einem einzigen Prototyp und einer Höchstzahl von vielleicht 10 ist alles denkbar.

Kaufmann: Herstellung von Kraftfahrzeugen ab 1896 bis 1906 oder 1907. Über anfänglich gebaute Typen und deren Produktionsdauer und Umfang ist nichts bekannt. 1906 wurde die Firma umbenannt in „Millot“ und fertigte große PKW (Vierzylinder und damals sehr seltene Sechszylinder) in kleinen Stückzahlen bis 1907.

Lucerna, Luzern: Herstellung von Kraftfahrzeugen 1907-09, vermutlich Einzelexemplare auf Bestellung. Nur so läßt sich die Vielzahl der in der kurzen Produktionszeit gebauten Typen erklären. 1910 (also ein Jahr nach Produktionsende) waren in der Schweiz 7 Kraftfahrzeuge dieser Marke registriert: Wenn nichts exportiert worden ist (was ein Händlernetz im Ausland erfordert hätte), wäre das möglicherweise die produzierte Gesamtzahl: Von jedem Typ also etwa ein Stück.

Lucila, Genf: Fertigung von Autos 1902 bis 1908. Mehrere Typen. Insgesamt sollen etwa 100 Autos produziert worden sein, deren Verteilung auf die Jahre ich geschätzt habe wie abgegeben.

Martini, Frauenfeld / St.Blasien: Die größte Schweizer PKW-Marke. Produktion von Kraftwagen 1897 bis 1934. Insgesamt sollen über 3.500 Autos von allen Typen gebaut worden sein, was ich für etwas knapp halte (5.000 bis 5.500 halte ich für realistischer). Die Frage wird sich wohl nicht mehr klären lassen, da die Firmenakten angeblich irgendwann –wie bei alten Firmenakten häufig- weggeworfen wurden.
Während die Herstellung von 1897 bis 1901 nur ein oder wenige Fahrzeuge jährlich umfaßte, stieg sie 1902 auf 30, 1903 auf 100 und 1906 auf 220 Stück im Jahr.1910 waren es 260, 1913 276, 1915 erneut 276, und 1916 waren es 345 Stück. Falls die Jahresproduktionszahlen sich zwischen diesen Jahren also auch etwa bei 200 Stück bewegten, kommt man schon für die Zeit bis 1918 auf etwa 3.500 Stück.

Millot: Siehe Kaufmann

Moser, St. Aubin: Die seit 1902 in St. Aubin bestehende Motorradfirma produzierte von 1914 bis 1917 16 Autos, deren Verteilung auf die einzelnen Jahre ich, wie aus der Anlage ersichtlich, geschätzt habe.

Schweiz, Kraftfahrzeuge bis 1918, Tabelle

Orion, Zürich: Nur Nutzfahrzeuge (LKW), Automobilproduktion von 1900 bis 1910. 1905 soll die Jahresproduktion insgesamt 72 Autos umfaßt haben. Dies dürfte der Zenit der Fertigung gewesen sein. Daraus errechnet sich die von mir angenommene Produktionskurve: Ich bin für die Anfangszeit von sehr bescheidenen Stückzahlen ausgegangen, da der LKW im Kraftfahrzeugwesen um die Jahrhundertwende kaum eine Rolle spielte, und habe ab 1906 ein langsameres Sinken angenommen – anderenfalls hätte man wohl schon früher die Tore geschlossen..

Pic-Pic /  Piccard-Pictet / SAG (Sociètè Automobiles de Geneve), Genf: Die als SAG gegründete Firma begann 1906 mit dem Automobilbau, 1910 nannte sie sich in Piccard-Pictet (kurz: Pic-Pic) um. Schon bald waren Luxusautomobile der Oberklasse (Lizenzbau von Hispano-Suiza) Schwerpunkt der Fertigung und das Vornehmste, was die Schweiz zu bieten hatte: Als 1912 der Deutsche Kaiser die Schweiz besuchte, erhielt er zu seiner Fortbewegung einen Pic-Pic.
1907-10 wurden zusammen 165 Autos, im Jahr 1911 insgesamt 220 Stück hergestellt. Möglicherweise war das aber der Höhepunkt der Fertigung, danach scheint es zunächst langsam, dann aber immer rascher bergab gegangen zu sein. Das Produktionsende liegt nicht genau fest: Entweder 1921 oder 1924. Eine genaue Typenliste fehlt ebenso wie weitere Produktionsziffern, sodaß ich auf weitere Schätzungen verzichtet habe. Bei Schätzung des Produktionsumfanges habe ich mich von dem allgemein für Luxuswagen geltenden  Erfahrungssatz leiten lassen:
– Kleinere Typen werden in größeren Stückzahlen produziert als größere.
– Die Produktion läuft im ersten Jahr an, ist also noch gering. Im zweiten Jahr werden alle bei Neuerscheinung aufgegebenen Bestellungen abgearbeitet, und anschließend sinkt die jährliche Produktion wieder, da das Auto nicht mehr modern und damit der „letzte Schrei“ ist, und sie sinkt so lange, bis sie unrentabel wird.

Pic-Pic: Siehe Piccard-Pictet

Popp, Basel: Produktion: zwei Autos im Jahr 1898.

Rapid, Zürich Lizenzbau des Egg & Eggli 1899 – 1900, angeblich „einige Dutzend“ Autos: Ich habe daher 40 geschätzt.

Schweiz, Kraftfahrzeuge bis 1918, Tabelle

Safir, Rheineck: Bau von Automobilen 1906 bis 1910. Typenliste sicher nicht vollständig. Insgesamt „einige Dutzend“ PKW, dazu LKW und Busse, letztere wohl in recht geringer Anzahl (5-10 Stück?).

SAG (Sociètè Automobiles de Geneve): Siehe Piccard-Pictet

Saurer, Arbon: Die wohl bekannteste und langlebigste Schweizer Automobilmarke. Beginn der Fertigung 1903, zunächst auch PKW, ab 1912 nur noch LKW. Das Firmenarchiv scheint mehr oder weniger erhalten geblieben zu sein, wartet aber noch der Aufarbeitung. Die Zahlenangaben zur Produktion sind daher nur sporadisch, ein vollständiges Typenregister fehlt.

Sigma, Genf: Fertigung von Automobilen 1909 bis 1914, möglicherweise auch darüber hinaus bis 1918. Typenliste wahrscheinlich unvollständig. Bis 1914 sollen 250 Stück gebaut worden sein, die ich auf die Jahre 1909-14 verteilt habe wie angegeben.

SNA(Societè Neuchatelois d‘ Automobiles), Boudry b. Neuenburg: Produktion von Automobilen 1903 bis 1913 in unbekannter Anzahl, Typenliste wahrscheinlich unvollständig. Ich habe eine gleichbleibende Produktion von etwa 10 Autos pro Jahr geschätzt.

Soller, Basel: Herstellung von Nutzfahrzeugen 1904 bis 1913, angeblich „mehrere Dutzend“. Typenliste wahrscheinlich unvollständig. Ich habe insgesamt etwa 60 Stück geschätzt und die Verteilung auf die Jahre vorgenommen wie angegeben.

Speidel, Genf: Fertigung von Automobilen 1914 bis 1922, Einzelexemplare auf Wunsch, mindestens 12 Stück, also etwa 1-2 pro Jahr. .

Stella: Siehe CIEM-Stella

Turicum, Zürich: Produktion von Automobilen 1904 bis 1914, Typenliste wahrscheinlich vollständig. Jahresproduktion für 1907, 1908 und 1911 angegeben, aufgrund dieser angaben habe ich die Produktion der übrigen Jahre geschätzt.

Weber, Uster: Herstellung von Autos 1899 bis 1906, 1899-1900 Lizenzbau „einer gewissen Anzahl“ des Egg & Eggli, die ich mit 30 Stück geschätzt habe. Von 1900 bis 1906 ein weiterer Einzylinder mit 8-12 PS, angeblich 60 Stück pro Jahr, ich habe am Anfang und Ende der Produktion hier weniger geschätzt. Ein weiterer Einzylinder mit 2.510 ccm Hubraum wurde nur 1902 angeboten, vielleicht blieb er ein Einzelstück.

Yaxa, Genf: Produktion von über 100 Automobilen 1912 bis 1914.

Zedel, St.Aubin: Fertigung von Motorrädern ab 1899, von Automobilen ab 1906/7 bis 1922 in unbekannter Stückzahl. Typenliste wahrscheinlich unvollständig. Von einer Schätzung der jährlichen Stückzahlen habe ich mangels irgendwelcher Anhaltspunkte zur Größenordnung abgesehen.

Zürcher & Huber: Siehe Orion