Frankreich, Sonstige Kraftfahrzeuge bis 1918

Die Tabelle ist ein Torso.
Ich habe mit Sicherheit nicht einmal die Liste der Hersteller vollständig erfaßt, und es bleibt völlig offen, welche der aufgeführten Fahrzeuge in Serie produziert wurden, Prototypen oder vielleicht gar nur Projekt blieben. Dies gilt nicht für die nachfolgend beschriebenen Militärfahrzeuge:

Panzerspähwagen, Radpanzer:
Die Firma Charron stellte 1906 auf russische Bestellung insgesamt drei überpanzerte Automobile her. Die Russen nahmen zwei dieser Fahrzeuge jedoch wegen angeblich ungenügender Leistungen nicht ab mit der Folge, daß die beiden Straßenpanzerwagen einige Zeit an der deutsch-russischen Grenzstation Eydkuhnen (Bahnstrecke Königsberg – Wilna-Moskau) herumstanden, bis das deutsche Reich sie schließlich aufkaufte und erprobte, allerdings auch mit negativem Ergebnis (vgl. Guderian in Militärwiss.Rundschau 1936, S.55). Daß der britische Militärhistoriker John F.Milsom angesichts dieser Fakten noch 1973 behaupten konnte, das Deutsche Reich habe diese beiden Fahrzeuge quasi unterschlagen (AFV Weapons Profile No.60, 2.Seite oben), zeigt, wie wenig man offenbar auch heute noch in England bemüht ist, Tatsachen sachlich aufzuklären. Jedenfalls führte die Erprobung dieser nur hinterachsgetriebenen Fahrzeuge (das ein Jahr vorher erschienene Panzermobil von Austro-Daimler hatte immerhin schon Allrad-Antrieb) auf deutscher Seite zu der Erkenntnis, daß solche Fahrzeuge für militärische Zwecke unbrauchbar seien.
Weitere Straßenpanzerwagen scheinen in Frankreich zunächst nicht entwickelt worden zu sein. Als dann 1914 der Krieg ausbrach, versah man schnell 100 schwere Peugeot- und 150 Renault-PKW mit gepanzerten Aufbauten. Als diese jedoch Ende 1914 und Anfang 1915 zur Verfügung standen, war der Bewegungskrieg zu Ende, und in den Grabenkämpfen des Stellungskrieges waren diese nicht geländegängigen und letztlich überlasteten Autos völlig unbrauchbar.
Erst im Jahr 1918 entschlossen sich die Franzosen, 230 Fahrgestelle des leichten US-LKW der Firma White mit im eigenen Lande hergestellten Panzerkarosserien zu versehen. Als diese jedoch fertiggestellt waren, war der Krieg zu Ende, und die Geschichte ihres Einsatzes und ihrer weiteren Umbauten gehört in die Nachkriegszeit.

Renault FT-17 der niederländischen Armee, Armeemuseum Soesterburg

Kampfpanzer: Auch die Franzosen begannen 1916 mit dem Bau von kettengetriebenen Panzerfahrzeugen.
Die ersten Modelle, St.Chamond Mod.16 und Schneider Mod.16, hatten Kettenfahrgestelle der amerikanischen Firma Holt, die für das zusätzliche Panzergewicht nicht konzipiert und daher völlig überlastet waren. Der St.Chamond hatte zudem vorne und hinten einen derartigen Überhang, daß seine Geländegängigkeit sehr eingeschränkt war. Der Schneider hatte sehr hoch angesetzte Benzintanks (Fallbenzin!), die sich durch Artilleriebeschuß schnell in Brand setzen ließen. Kurz: Beide Fahrzeuge bewährten sich im Fronteinsatz nicht.
Ihr Bau begann Ende 1916 und endete im März (St.Chamond) bzw. August 1918, es errechnen sich also im Schnitt etwa 24 (St.Chamont) bzw. 20 (Schneider) Fahrzeuge pro Monat, auf diesen Berechnungen beruht meine Schätzung bezüglich der Verteilung der Produktion auf die Jahre 1916 bis 1918.
Meistgebauter Panzer im 1. Weltkrieg war der Renault FT17: Der Zweimann-Panzer war mit 6,5 Tonnen Gesamtgewicht relativ leicht, mit einem MG bzw. einer 37mm-Kanone hinreichend bewaffnet und konnte von einem gewöhnlichen 40PS-Motor angetrieben werden (Motoren mit größerer Leistung warfen damals noch ungeheure Probleme auf).
Die Grundkonzeption dieses Panzers (Kettenlaufwerk, Motor im Heck, Hauptbewaffnung in einem um 360 Grad drehbaren Turm) ist letztlich bis heute von fast allen späteren Panzern übernommen worden. Man wird dieses Fahrzeug daher wohl am ehesten als Urahn des Kampfpanzers ansehen können (und nicht den britischen Heavy Tank Mk.I).
Vom Renault FT 17 wurden 1917 bereits 83 Stück und bis zum 11.11.18 (Waffenstillstand) insgesamt 3.177 Stück gebaut, weswegen man bis 31.12.18 etwa 3.300 Stück veranschlagen kann. Insgesamt sollen 4.000 Stück gebaut worden sein, die Produktion erstreckte sich bis 1920 und umfaßte ab 1919 Lieferungen (teils gegen Geld, teils als Geschenke) an ungefähr alle Staaten der Erde, die nicht selber Panzer herstellten.

Literatur: Siehe Frankreich, Einführung. Spezielle Literatur zur Geschichte einzelner Marken findet sich in der Spalte „Bemerkungen“.