Schweden – Sonstige und Militärfahrzeuge

Literatur: Siehe Schweden, Einführung. Spezielle Literatur zur Geschichte einzelner Marken findet sich in der Spalte „Bemerkungen“. Eine Zusammenstellung der schwedischen Traktormarken findet sich unter http://motorplogar.webnode.se/

Schweden, sonstige und Militärfahrzeuge bis 1945, Tabelle

Diverse Zugmaschinen, insbesondere Ackerschlepper:

In Schweden wurden – ähnlich wie in Deutschland- zunächst Motorpflüge gebaut, erst in den 20erjahren entwickelte sich allmählich eine Ackerschlepper-Industrie. Der Exportanteil war immer sehr groß (bis zu 50%), vor allem in die übrigen skandinavischen Länder und nach Rußland bzw. ab 1919 in die baltischen Staaten, aber auch in andere europäische Länder.

Avance, Augustendal: Produktion eines Motorpfluges in 1.056 Stück von 1913-1921. Als man allenthalben zu Traktoren überging, versuchte sich Avance auch hier mit zwei offenbar erfolglosen Modellen und meldete 1922 Konkurs an. Neuanfang 1924 mit dem Bau eines Traktors in maximal ca. 500 Stück bis 1929, dann zu Munktell.

Bolinder, Stockholm: Die Firma wurde zu einem unbekannten Zeitpunkt (ca.1927?) gegründet und fertigte 1930 bis 1932 ebenfalls einen Traktor mit im wesentlichen unbekannten Daten in unbekannter wohl geringer Stückzahl.

Bolinder-Munktell, Eskilstuna: 1913 wurde die Firma Munktell gegründet, sie stellte Ackerschlepper in verschiedenen bekannten Typen her, Produktionsdauer und Gesamt-Stückzahl jeweils bekannt.
1932 schlossen sich alle drei Firmen zu „Bolinder-Munktell“ zusammen und produzierten Traktoren bis 1950, dann kam diese Firma zu Volvo. Gesamtzahl und technische Daten dieser Typen sind bekannt, nicht jedoch die jährlich produzierte Stückzahl.

Bofors, Karlskoga: Als der 1.Weltkrieg zu Ende war und man der Ansicht war, in nächster Zeit keine neuen Waffen mehr zu brauchen, suchte auch der schwedische Rüstungskonzern Bofors nach neuen Betätigungsfeldern. Es entstanden 1919/20 verschiedene Entwürfe zu Motorpflügen und Ackerschleppern, mindestens 5 Prototypen wurden gebaut, ein Serienbau erfolgte nicht.
Einen zweiten Einstieg in das Geschäft versuchte die Firma 1931-34 durch Bau eines 40-PS-Traktors in 2 Serien, aber erneut ohne Erfolg.

Eibner, Bjällbo: Bau von 3 Motorpflug-Prototypen, die nicht in Serie gingen. Danach widmete sich Eibner ausschließlich dem Motorradbau.

Juni, Bankeryd: Die Firma, ansässig in Bankeryd, baute von 1917- – 1924 zuächst Motorpflüge in teils bekannter, teils unbekannter Anzahl, ab 1925 Traktoren mit Rad- wie auch Raupenfahrgestell, daneben Baumaschinen, nähere Typen und Anzahl unbekannt, ebenso ist das Ende der Firma mir nicht bekannt.

Lanskrona Mechanische Werkstätten, Lanskrona: Die Firma baute von 1921 – 1923 den US-amerikanischen Kettenschlepper Monarch Lightfoot, allerdings mit anderem Motor: 3 Prototypen und 20 Serienmaschinen.

Malcus, Holmqvist: Produktion von Motorpflügen ab 1916, wobei wohl lediglich der Typ 24AF in einigen Stückzahlen (von mir auf 80 geschätzt) gebaut wurde, alle anderen Typen blueben im Versuchs- oder Prototypenstadium.

Motala, Lindholmen: Die in Lindholmen ansässige Firma baute ab 1921 in mehreren Serien unter dem Namen LiMo den Raupenschlepper Cletrac H in Lizenz, der Verkauf der 80 im Jahre 1921 gebauten Traktoren zog sich mehrere Jahre hin.

aus Heigl, Taschenbuch d.Tanks Tl.II S.554

Nohab, Trollhättan: Schwerindustriekonzern, bekannt für seine Lokomotiven. Lizenzfertigung des Pavesi-Schleppers mit Scania Motor 1928 und 1930 in zwei kleinen Serien für das schwedische Militär.
Daneben Bau eines Ackerschleppers von 1929 – 1931 in 10 bis max.20 Stück und auch Straßenschleppern ab unbekanntem Zeitpunkt bis etwa 1935.

Tidaholms Bruk: Herstellung von Motorpflügen 1918-20: 1 Prototyp und 20 Serienfahrzeuge.

Volvo, Göteborg: Produktion von Ackerschleppern ab 1943. Typen und gebaute Zahl bekannt.

Nur Einzelexemplare bauten unter anderem die Firmen Anderson (Bronäs 1911), Cassel (1914)Henrickson (Stockholm 1918), Kullmo (1921) und Monthand (Stockholm 1917).

Schweden, sonstige und Militärfahrzeuge bis 1945, Tabelle

Mil. Zugmaschinen:

aus Heigl, Taschenbuch der Tanks Tl.II S.555


aus Heigl, Taschenbuch d.Tanks Tl.II S.555

Landsverk, Lanskrona: Die Firma entstand in den Zwanzigerjahren unter Mithilfe deutscher Firmen, denen durch das Versailler Diktat der Bau von Wehrtechnik –und dazu zählten auch Kettenlaufwerke, die für Panzer dienen konnten- untersagt oder mit schwer zu erfüllenden Auflagen verbunden war. Neben Panzerspähwagen und Panzern entstanden in den Dreißigerjahren Kettenzugmaschinen mit dem Laufwerk der parallel dazu gefertigten Panzer, wobei vor allem der Export nach Thailand (Siam) bemerkenswert ist. Typen und jährlich produzierte Stückzahl bekannt. Bedauerlich ist, daß es außer Heigls Taschenbuch der Tanks eigentlich keine brauchbare Publikation zu diesen Schleppern gibt.

Volvo, Göteborg:  Bau militärisch genutzter Zugmaschinen ab 1940: Typ TVB und TVC: Schwere Radzugmaschinen zum Ziehen schwerer Geschütze, z.T. Lizenz Skoda, Typ HBT war eine Kopie der deutschen Eintonner-Halbkettenzugmaschine SdKfz.10: Ein Stück kam angeblich im Rahmen des Norwegen-Feldzuges in schwedischen Besitz und konnte als Vorlage dienen.

 Radpanzer:

Landsverk L180, L181 und L182: schwere Panzerspähwagen mit 6×4-Fahrgestell, die den deutschen Gegenstücken SdKfz.232 glichen, und mit verschiedenen Motoren und Bewaffnungen in kleinen Serien vor allem an das Ausland geliefert wurden, das aus irgendwelchen Gründen zur Betonung seiner Neutralität bewußt nicht Waffen von anderen europäischen Großmächten beziehen wollte: Irland, Niederlande, Litauen, Dänemark, Finnland.

Landsverk 185 und PB L170: Nur als Prototypen hergestellte Vierrad-Spähpanzer.

Landsverk PB m/39 und m/40: Vierrad-Panzerspähwagen, zunächst für Dänemark gebaut, konnte aber teilweise  wegen mittlerweile erfolgter Besetzung des Landes durch Deutschland nicht mehr ausgeliefert werden, blieb daher in Schweden, später schwedische Nachbestellungen.

Pansarbil (PB) m/31, Scania SKP, Volvo VKP. Überpanzerte LKW-Fahrgestelle zum Transport von Schützen, schwedische Besonderheit: Fahrgestelle und Motoren dieser Fahrzeuge waren aber wohl durch das Gewicht der  Panzerung überlastet – indessen konnten sie eine Probe ihres Könnens nie abgeben, da Schweden sie nie in einem Krieg einsetzen mußte.

 Schweden, sonstige und Militärfahrzeuge bis 1945, Tabelle

Panzer:

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Stridsvagn m/21, Panzermus. Munster

Den Anfang machte der LK II, in Schweden als Stridsvagn (StV, =Streitwagen) m/21 oder fm/22 bezeichnet, jene deutsche Entwicklung aus den letzten Kriegstagen im 1.Weltkrieg, zu deren Serienproduktion es nicht mehr kam. Von diesem Panzer kamen einige nach Schweden, wurden dort zusammengebaut (oder auch komplett gefertigt, die Quellen sind da unklar) und ins schwedische Heer in unbekannter Anzahl (ca.10 bis 20) eingeführt, daneben gelangten 14 Stück nach Ungarn, das diese Fahrzeuge verbotswidrig erwarb und dann in Verstecken lagerte. Der Panzer wurde 1929 durch Einbau eines stärkeren Motors modernisiert und hieß dann StV m/21-29.

aus Heigl, Taschenb. der Tanks Tl.II S.550

Landsverk 100, 120, 10 und 60 waren nur als Prototypen hergestellte Versuchsfahrzeuge, die indessen auffällige Ähnlichkeiten mit den späteren deutschen Panzern I und II aufwiesen: Starker Motor (von Maybach), hohe Feuerkraft, gute Formgebung der Panzerung. Vom Landsverk 60 erschien ab 1940 eine ungarische Lizenzvariante als Toldi.

StV m/37, StV m/41: Mit der tschechischen Firma Praga scheint man in den Dreißigerjahren enger zusammengearbeitet zu haben, so fällt zum Beispiel auf, daß LKW-Motoren von Praga und Scania-Vabis gleiche Zylindermaße hatten. 1938 kaufte Schweden 48 Stück des Kleinpanzers Praga AH IV und montierte diese im Lande als StV m/37. Weiter bestellt wurde der Praga LT Vz.38, zu dessen Auslieferung es indessen zunächst nicht kam, da das Deutsche Reich die Fahrzeuge wegen des Kriegsausbruches beschlagnahmte und als Pz.38(t) in die Wehrmacht übernahm. Erst 1943/4 erfolgte der schwedische Lizenzbau unter der Bezeichnung StV m/41, zu diesem Zeitpunkt war das an sich recht ausgewogene Fahrzeug indessen bereits veraltet.

StrV m/38, m/39, m/40 und m/40K waren Weiterentwicklungen des Landsverk 60 und wurden 1938 bis 1944 gebaut,  entsprachen aber ab spätestens 1943 nicht mehr den Anforderungen.

Den Schluß machte der StV m/42, 1943-45 in 282 Stück gebaut, mit zeitgemäßer 7,5cm-Kanone ausgerüstet, indessen, da man über einen geeigneten Motor nicht verfügte, von zwei Scania-Vabis-LKW-Motoren angetrieben.