Japan – LKW bis 1945

 

Allgemeine Gesamtstatistik:

Es gibt zur japanischen Automobilindustrie mehrere Statistiken:
– für alle japanischen Kraftfahrzeuge (PKW und LKW) außer Dreirädern, beginnend 1926
– PKW, ab 1936: aus irgendwelchen Gründen sind aber in dieser Statistik offenbar die Erzeugnisse der Firma Datsun nicht mitgezählt
– LKW und Busse, ab 1930, diese ab 1936 aufgegliedert in
– Kleinst-Lieferwagen
– 2-Tonner
– 4-Tonner
– Busse
– Dreirad-Lieferwagen, ab 1930
– Montagen US-amerikanischer Modelle, PKW und LKW, 1925 bis 1938

Die Statistiken entstammen verschiedenen Quellen, unter anderem dem USSBS (United States Strategic Bombing Survey, angelegt unmittelbar nach dem Krieg zur Untersuchung der Frage, in welchem Umfang die Bombardierung des Feindeslandes wirtschaftliche Auswirkungen auf die Kriegsproduktion hatte) und anderen wohl meist amerikanischen Ursprungs, entstammen also dem, was die Amerikaner 1945 an Dokumenten in Japan vorfanden oder was ihnen Japaner erzählten.

Kritik zu den Gesamtstatistiken:

Ob die an das Militär gelieferten PKW als „commercial cars“ bei den LKW mitgezählt wurden (ähnlich wie in USA und Großbritannien) oder ob sie in offiziellen Statistiken, weil geheim, nicht auftauchen (wie in Deutschland, Tschechoslowakei oder Polen), wird frühestens geklärt werden können, falls mir dereinst exakte Zahlen zur Produktion der Fahrzeuge von Ischikawajima/Sumida und Isuzu vorliegen sollten: Dort müssen ebenfalls große Mengen an LKW, vor allem vom Militär-LKW Typ 94, produziert worden sein, alle amerikanischen Quellen nennen diesen LKW als den Standard-LKW der japanischen Streitkräfte.

Zu beachten ist weiter, daß das japanische Kalenderjahr im März beginnt und endet. Die Produktionszahlen beziehen sich aber offensichtlich auf das gregorianische Kalenerjahr, das für bestimmte Bereiche 1873 in Japan eingeführt wurde.

Für Verwirrung sorgen die unterschiedlichen Schreibweisen der Firmennamen (englische/ französische/ deutsche Transskription) und die ständige Änderung derselben durch Fusionen, Umbenennung etc.

Quellen:

Cusumano, Michael A: The Japanese Autombile Industry, Cambridge (Massa.) u. London1985: einthält vor allem interessante Produktionstabellen zu Toyota und Nissan/Datsun
Clymer, Floyd: Complete Catalog of Japanese Motor Vehicles, Los Angeles 1961: Das Werk befaßt sich in erster Linie mit um 1961 gefertigten Automobilen, enthält aber im Vorspann auch Tabellen zur Vorlriegs-Produktion
Ruiz, Marco: The Japanese Car, New York 1986, enthält auch einiges zu den Anfängen japanischer Automobilproduktion, ist aber mit Vorsicht zu genießen.
Norbye, Jan P: The Japanese Auto Industry, in Automobile Quaterly Jahrgang 38 Bd.2 S.31ff

Risdom, Jeremy (Ed.): Pomchi Book of Cars, Vans and Light Trucks Vol.1 (1902-34), Vol.2 (1935-39), Vol.3 (1940-49), Yate, U.K., 2017/8, ist wohl das ausführlichste Werk zu den japanischen Automobilen bis 1945: Der Autor hat offensichtlich vor allem auch japanische Quellen benutzt, die hier erfolgte Vorstellung der einzelnen Firmen und deren Typen ist wohl das derzeit Exakteste auf dem Markt. Bedauerlicherweise wird allerdings die häufig sehr verwirrende Firmengeschichte recht knapp abgehandelt, sodaß hier manches offen bleibt. Ebenso sind kaum Angaben zu Stückzahlen zu finden.

Japan, LKW bis 1945, Tabelle

LKW – Die einzelnen Automobilmarken:

Daihatsu, Osaka: Hauptsächlich Dreirad-Produktion seit 1930. Daneben Kleinst-LKW-Bau 1937 – 1939.

DAT, Tokio, später Osaka: PKW-Bau seit 1913.
1924-26: Bau eines 1-Tonner-LKW, etwa 2 Stück pro Monat, also 25 pro Jahr.
1926-31: Typ 61, LKW mit 2 to Nutzlast, insgesamt 362 Stück, meist für das Militär.
1932: Der LKW-Bau wird von Isuzu fortgeführt, s.dort.

Hijiri/Hiziri: Produktionsort nicht ermittelt. Ursprünglich Teile für die in Japan montierten Ford-LKW.
1935-43 Nachbau des Ford BB in den uin unbekannter Stückzahl, meist für das Militär, von mir  geschätzt wie angegeben.

Hino, Tokio: Firma für schwere und schwerste LKW, 1942 durch Ausgliederung aus Isuzu entstanden. Typenliste möglicherweise unvollständig, Schätzung der Anzahl spekulativ und beruht auf der Tatsache, daß schwere LKW in Kriegszeiten nur wenig gebraucht wurden.

Hitachi, Tokio: LKW-Fertigung 1935-37 in unbekannter Anzahl, angesichts der kurzen Dauer der Firma über nur 2 Jahre werden es nur wenige gewesen sein.

Hitakaschi: Produktionsort nicht ermittelt. Kleinst-LKW-Produktion um 1939 in unbekannter Stückzahl.

Japan, LKW bis 1945, Tabelle

Ikegai, Kawasaki: Ursprünglich Maschinenbau und Werkzeugfabrik, Motorenfabrik, ab 1934 bis 1940 auch LKW, angeblich im Schnitt 30 pro Monat.

Ishikawajima: Dockyard & Engineering. 1853 als Schiffswerft gegründet. Ischikawajima ist der Name einer Insel in der Bucht von Tokio.
1919 Lizenz zum Bau des PKW Wolseley A9 (15hp) (siehe PKW)
1925-28: 582 Stück des LKW Wolseley CP und CG
1923 (oder erst 1928?): Die LKW tragen den Namen Sumida.
1928: Statt des Wolseley CP neue LKW-Typen, Daten nicht bekannt. Angesichts der Tatsache, daß damals außer Ishikawajima nur noch Tokio Gasu Denki LKW produzierte und die Gesamtzahl der produzierten LKW jährlich etwas über 400 Stück lag, dürften um die 200 Stück jährlich gefertigt worden sein.
1936/7: Die Firma geht in Isuzu auf, siehe dort.

Nach anderer Lesart:
3.33: zusammen mit DAT LKW: Car Manufact.Co.( Jidoscha Kogyo)
4.37: Diese zusammen mit TGE: Tokyo Car Manufact.Co.( Tokio Jidoscha Kogyo)
4.41: umbenannt in (Nippon) Diesel Car Industry Co.(Diesel Jidoscha Kogyo)
4.49: zu Isuzu

Isuzu, Tokio, später Kawasaki: der wohl bedeutendste japanische LKW-Bauer der Zwischenkriegszeit:
1933 gegründet zum Bau von Militär-LKW.
ab 1934: Bau des 1,5to Typs 94 für die Armee, der Wagen blieb bis zum Kriegsende in Produktion und war der Standard-LKW des japanischen Heeres.
1936/7: Der LKW-Bau von Ishikawajima/Sumida wird mit übernommen, Erweiterung der Typenpalette.
1937 oder 1939: Der LKW-Bau von Tokyo Gasu Denki (Tokio Gas & Electric, TGE) wird übernommen.
1942: Ausgliederung der Firma Hino als Hersteller für schwere LKW

Typenliste höchstwahrscheinlich unvollständig.

Janase: Produktionsort nicht ermittelt. 5 Kleinst-LKW mit der typenbezeichnung „Go“ im Jahr 1922.

Jidokasha:= jap. für „LKW“

Jitsuyo/Gorham, Osaka: Fertigung von Dreirädern ab 1919.
1923: Produktion eines Klein-LKW unter dem Namen Lila: 100 Stück in 1923, 200 Stück 1924-26
1926: Die Firma geht in der Firma DAT auf, Ende der Produktion. Neben LKW auch Bau von PKW und Dreiradfahrzeugen.

Japan, LKW bis 1945, Tabelle

Kobe, Kobe: Bau von LKW 1935 bis 1939 in unbekannter Anzahl.

Kokueki: Produktionsort nicht ermittelt. 1937 bis 1939 Bau von Kleinst-LKW in unbekannter Zahl-

Kurogane, Tokio: Ab 1940 Bau eines Klein-LKW mit gleichem Motor wie der PKW-Typ 95 in unbekannter Stückzahl. Neben LKW auch Bau vongeländegängigen PKW und Dreiradfahrzeugen.

Kwaishin-Sha: = Quaischin-Scha (andere Schreibweise), siehe DAT

Kyosan, Tokio: Bau eines Klein-LKW von 1931 bis 1940 in unbekannter Anzahl, von mir wie angegeben geschätzt.

Lila: Siehe Jitsuyo/Gorham

Mijata, Tokio: Schwerindu

Minsei: Siehe Nippon Diesel

Mitsubishi, Kobe, später Kawasaki: Schwerindustrie-Konzern.
1920: Bau von ca. 5 leichten LKW auf Basis des Fiat 3A.
1930-35: Bau eines Busses in unbekannter Anzahl.
Ab 1936: Bau von LKW, Typen und Anzahl unbekannt. Mengen von mir frei geschätzt. Neben LKW auch Bau von PKW in geringem Umfang.
Neben Kraftfahrzeugen auch umfangreicher Flugzeug- und Flugmotorenbau.

Niigata, Niigata: Herstellung von LKW 1934-37 in unbekannter Stückzahl.

Nippon Diesel, Kawaguchi: Ab 1935 Produktion von meist schweren LKW in unbekannter, allerdings wohl nicht allzu hoher Anzahl.

Nippon Nainenki Seiko: Siehe Kurogane

Nissan, Jokohama: Bau von LKW ab 1934. 1936 kaufte die Firma eine vollständige  Fabrik für 1,5to-LKW in Detroit von Graham-Paige. Gefertigte Stückzahlen jahresweise anhand vorhandenen Schrifttums optimal erfaßt. Neben LKW auch Bau von PKW.

Japan, LKW bis 1945, Tabelle

Ohta, Kanda, Tokio: Bau von Kleinst-LKW 1931 bis 19354, von 1933 bis 1935 zusammen 160 Stück, für 1931 und 1932 entsprechend geschätzt- Neben LKW auch Bau von PKW.

Quaischin Scha: = Kwaishin Sha (andere Schreibweise), siehe DAT

Raito, Tokio: Produktion von Kleinst-LKW 1934-38 in unbekannter Anzahl, von mir, wie geschehen, geschätzt. Neben LKW auch Bau von PKW.

Rokko, Kawasaki: Ursprünglich Eisenbahnwaggonbau. Bau von leichten LKW 1932 bis 1942, insgesamt rd. 4.200 Stück, also etwa 500 pro Jahr, am Anfang und am Ende wohl weniger. Neben LKW auch Bau von PKW.

Sumida, Tokio: Siehe Ishikawajima.Sumida ist der Name eines Flusses bei und eines Stadtteils von Tokio.

TGE (Tokyo Gas & Electricity): Siehe Tokyo Gasu Denki

Tokyo Gasu Denki = Tokio Gas & Electric/TGE, Tokio:
1927: Beginn des Baues leichter LKW
1931: Die LKW erhalten den Namen Chiyoda/Tschijoda.
ab 1932 (?): Fertigung des Chiyoda Q, dieser ist identisch mit dem Isuzu Typ 94.
1937 oder erst 1939: Die Firma kommt zu Isuzu, weitere Produktion unter diesem neuen Namen.
Neben Kraftfahrzeugbau seit den Dreißigerjahren auch Flugmotorenbau ( Sternmotoren 5 – 9 Zyl. mit 90 bis 300 PS).

 Toyota, Toyota City: LKW-Produktion seit 1935. Zum Umfang der Produktion gibt es mehrere Tabellen, die des USSBS weicht von der bei  Cusomano veröffentlichten ab, ohne daß der Grund der Abweichung erkennbar wäre. Neben LKW auch Bau von PKW.

Tschijoda: Siehe Tokyo Gasu Denki

Tsukuba, Tokio: Fertigung eines Kleinst-LKW von 1934 bis 1943, insgesamt 470 oder 330 Stück, je nachdem, ob man annimmt, daß 140 oder gar keine davon als PKW (s.o.) fertiggestellt wurden. Neben LKW und PKW auch Produktion von Dreiradfahrzeugen.

Japan, LKW bis 1945, Tabelle

Montage-Firmen:

Auch für LKW sind die Montagefirmen Ford (ab 1925), General Motors (ab 1927) und Chrysler (ab 1929), jeweils bis 1938/9 zu nennen (Näheres siehe Japan, PKW).  Völlig offen bleibt indessen, wie sie sich die jährlich montierte Anzahl nach PKW und LKW  aufteilte, wobei es sich bei den Nutzlastklassen wohl vor allem um leichte LKW (0,5 – 1,5 to), ferner vielleicht einige mittlere LKW (bis max. 3 to) handelte.